3. Periodisierung des Trainings

Ein weiterer Kernpunkt der ILB-Methode ist die Periodisierung des Trainings. Nur allzu oft beobachtet man bei Anfängern und leicht Fortgeschrittenen in den Studios, daß sie fortwährend im gleichen Wiederholungsbereich von 10-12 Wiederholungen arbeiten. Auf eine Nachfrage, wieso sie so trainieren bekommt man in der Regel die Antwort, daß für den Muskelaufbau eine Wiederholungszahl von 10-12 Wiederholungen am effektivsten ist.
Damit haben sie natürlich nicht unrecht, allerdings gewöhnt sich der Körper recht schnell an eine immer gleiche Belastungsweise. Ist diese Anpassung erst einmal vollzogen, dann wird man mit einem immer gleichen Training nur noch geringe bzw. gar keine Fortschritte mehr erzielen. Außerdem wird bei einem reinen Muskelaufbautraining (oder Hypertrophietraining) die Kräftigung des Sehnen- und Bänderapparats, die mit einem Kraftausdauertraining erreicht wird, genau wie der Aufbau einer funktionalen, starken Muskulatur durch ein Training im Maximalkraftbereich, völlig vernachlässigt. Natürlich kann man nicht sagen, daß diese Effekte bei einem reinen Hypertrophietraining nicht auftreten, auch hier wird man im Lauf der Zeit stärker und der Sehnen- und Bänderapparat passt sich an. Allerdings ist dies bei weitem nicht so ausgeprägt, wie bei einer Trainingsgestaltung, die alle drei Aspekte berücksichtigt.

Daher erfolgt die mittelfristige Trainingsplanung (zur lang- und kurzfristigen Planung später mehr) bei der ILB-Methode in drei Phasen, der Kraftausdauerphase, der Hypertrophiephase und der Maximalkraftphase. So ein mittelfristiger Trainingsabschnitt wird im folgenden als "Mesozyklus" bezeichnet.
Diese drei Arten von Mesozyklen unterscheiden sich nicht nur in der Anzahl der ausgeführten Wiederholungen, sondern auch in der Auswahl der Übungen, der Ausführung und der Pausen zwischen den Sätzen. So wird angestrebt, daß das mittelfristige Trainingsziel auch in optimaler Weise erreicht wird.


Tabelle 1: Die verschiedenen Arten von Mesozyklen
  Kraftausdauer Hypertrophie Maximalkraft
Wiederholungszahl 15-25 8-12 5-8
Pausenlänge zwischen den Sätzen 90 sec. - 2 min. 45-90 sec. 3-5 min.
Arbeitsweise des Muskels auxotonisch oder isotonisch isotonisch auxotonisch
Geschwindigkeit der Bewegungsausführung langsam bis zügig und ruckfrei langsam und ruckfrei explosiv, insgesamt zügig und ruckfrei
Bevorzuge Übungsauswahl Maschinen und Hanteln Maschinenübungen an Geräten mit Excenter oder eingelenkige Isolationsübungen Mehrgelenkige Hantelübungen und Seilzüge
Begriffserklärung:
Auxotonisch = Muskelkontraktionsform, bei der die Verkürzung des Muskels mit einer Spannungserhöhung einhergeht. Normalerweise mit kurzen Haltepausen jeweils am Ende der Bewegung

Isotonisch = Gleichförmige Kontraktion des Muskels bei möglichst konstanter Spannung.

Die Dauer einer solchen mittelfristigen Trainingsphase sollte bei 4-6 Wochen liegen. Nach diesem Zeitraum lassen die Anpassungen des Muskels an den Trainingsreiz deutlich nach. Bei einer Trainingsplanung in der Reihenfolge von Tabelle 1 ist außerdem gegeben, daß die Anpassungen des Stoffwechsels optimal aufeinander aufbauen.
In der Kraftausdauer-Phase verbessert der Muskel seine Pufferkapazität gegenüber der beim Training anfallenden Milchsäure, in der folgenden Hypertrophiephase werden möglichst hohe und gleichmäßige Belastungsreize gesetzt, ohne daß der nun besser gepufferte Muskel übersäuert, während in der abschließenden Maximalkraftphase das neu gewonnene Muskelgewebe durch eine Verbesserung der nervlichen Verbindungen besser intramuskulär koordiniert wird.


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