1. Der Ursprung und die vier Grundregeln von HST

Auch wenn der Amerikaner Brian Haycock als der Vater der modernen HST gilt, so sind die Trainingsprinzipien doch nicht neu. Schon früher war es besonders unter olympischen Gewichthebern, aber auch einigen Powerliftern verbreitet, zum einen sehr oft, teilweise täglich zu trainieren und zum anderen dabei besonders auf Grundübungen zu setzen, die so gut wie nie bis zum Muskelversagen geführt wurden.
Es wäre nun aber falsch, Haycock vorzuwerfen, dass er etwas altes genommen hat, um es neu zu verkaufen. Vielmehr war es so, dass er sich mangels Fortschritten in seinem eigenen Training damit zu beschäftigen begann, wie eigentlich die wissenschaftlichen Grundlagen von Muskelwachstum sind. Schnell erkannte er, dass das herkömmliche Bodybuilding eigentlich mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen der letzten Jahre nicht viel gemeinsam hatte. Also versuchte er in der Folgezeit, die wissenschaftlichen Zusammenhänge zwischen Muskelwachstum und Belastung in ein einfaches, festes Trainingssystem umzusetzen. Das Ergebnis war HST.


Vier einfache Regeln

Bei allen Erkenntnissen, die Haycock durch seine Studien sammelte, stellte er bald fest, dass ein erfolgreiches Krafttraining vier Grundregeln zu folgen hatte, um Hypertrophie, also Muskelwachstum auszulösen:

a) Mechanische Belastung (mechanical load)
Damit ein Muskel wachsen kann, muß er gegen einen Widerstand belastet werden. Hierdurch werden verschieden Faktoren wie MAPk/ERK (mitogen aktivierte Proteinkinase/extra-zellulär Signal regulierte Kinase), Satellitenzellen, Wachstumsfaktoren, Kalzium und eine reihe weitere, bis heute noch nicht ausreichend erforschte Faktoren, einbezogen. HST soll dabei aber nicht dazu dienen, den Wachstumsprozess der Muskulatur abschließend zu erklären, sondern lediglich die nötigen Grundlagen vermitteln, wie Hypertrophie funktioniert.

b) Häufige Trainingsbelastung (frequent load)
Damit die mechanische Belastung auch in Muskelhypertrophie resultiert, muß sie ausreichend oft vorgenommen werden. Da man heute weiß, dass viele durch das Training angeregte Wachstumsfaktoren wie erhöhte Synthese von Proteinen, Prostaglandinen, IGF-1 und einige mehr, nach 36-48 Stunden wieder auf ihrem Ausgangsniveau sind, ist eine lediglich einmalige Belastung pro Woche, wie sie bei herkömmlichen Trainingssystemen oftmals vorkommt, nicht sinnvoll, würde man doch die restliche Zeit im Bestfall lediglich mit dem Erhalt des gegenwärtigen Muskelniveaus verbringen, anstelle den Summationseffekt durch ein erneutes Training der jeweiligen Muskelgruppe auszunutzen.

c) Progressive Gewichtssteigerung (progressive load)
Mit der Zeit passt sich das Gewebe an die Gewichte an, so dass sich mit der gewählten mechanischen Belastung keine weitere Adaption mehr einstellt. Dieses kann bereits innerhalb von 48 Stunden bis zur nächsten Trainingseinheit geschehen. Auch wenn weiterhin neurale (nervliche) oder metabole (Stoffwechsel-) Anpassungen im Körper auftreten, so kann doch die Hypertrophie bereits zu einem Stillstand gekommen sein. Zu diesem Zeitpunkt ist es folglich nötig, die mechanische Belastung, also das Gewicht, zu erhöhen. Es sei in diesem Zusammenhang allerdings darauf hingewiesen, dass die Entwicklung von Kraft nicht nur etwas mit Hypertrophie, also der Vergrößerung der Muskulatur, zu tun hat. Bei der Vergrößerung der Kraft spielen vielmehr auch neurale Anpassungen eine sehr große Rolle.

d) Strategische Dekonditionierung (strategic deconditioning)
Die andere Möglichkeit ist, wenn der Körper sich an eine Belastung gewöhnt hat, bzw. keine weitere Steigerung mehr möglich ist, dass man den Grad der Anpassung (Konditionierung) verringert (dekonditioniert). Hört sich kompliziert an, ist es aber nicht. Die Muskulatur reagiert nicht nur auf eine möglichst große Gesamtbelastung, sondern auch wenn man diese vergrößert oder verringert, selbst wenn die Belastung nicht maximal ist, vorausgesetzt der Grad der Veränderung ist nicht zu groß. Auch hier gibt es eine Grenze, sie können also die Belastung nicht unendlich erhöhen. Irgendwann kommen sie an einen Punkt, an dem der Körper nicht mehr mit weiterem Wachstum reagiert, sondern alle Anstrengung im Training nur noch dazu dient, den Status Quo zu erhalten. An diesem Punkt ist eine Dekonditionierung erforderlich, um dem Körper die Gelegenheit zu geben, wie auf neue Wachstumsreize reagieren zu können. Mit anderen Worten: Man macht eine Trainingspause. Übrigens hat die Dekonditionierung auch den positiven Effekt, auftretende Überlastungserscheinungen wie Sehnenreizungen oder Übertrainingssymptome auszukurieren.

Diese vier Regeln liefern die Grundlagen für jedes HST-System.


Anfang Weiter

Online-Shop
Forum
Werbung