4. Offene Fragen, Risiken und mehr...
Wie nun? Gerade eben hieß es doch noch, dass HIT-Training viele
Vorteile hat und nun wieder doch nicht ?
Wie in der Einleitung dieses Artikels bereits gesagt, gibt es KEIN
optimales Trainingssystem. Dieses kann es gar nicht geben, sind wir
doch alle Individuen und unsere Zielsetzungen, körperlichen
Voraussetzungen, Trainingsstände, Rahmenbedingungen wie Arbeit,
Familie oder auch Alter, die wiederum in die Erholungsfähigkeit mit
eingehen, sehr unterschiedlich. So hat auch HIT durchaus negative
Aspekte, genau wie Widersprüche in der Systematik an sich.
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Verletzungsgefahr
Gerade die Verletzungsgefahr, die ja beim Anfänger, weil gering, eher für das HIT-System spricht, ist genaugenommen eine der größten Negativseiten ab einem gewissen Entwicklungsstand. Für einen Anfänger mögen die schweren Gewichte durch das Trainingstempo ungefährlich sein, da er zu strikter Technik gezwungen wird, aber was ist mit einem fortgeschrittenen oder gar Leistungs-/Wettkampfathleten? Für ihn reicht die Intensität eines Anfängers nicht aus. Vielmehr muss er, um weiterhin gute Fortschritte zu erzielen mit einer deutlich höheren Trainingsintensität agieren, weiterhin aber bei schwersten Gewichten und geringer Satzzahl. Die Empfindlichkeit der Muskulatur eines Leistungssportler ist aber wesentlich anfälliger für Muskel- und Sehnenrisse. Nur ein einzelner Satz mit mörderischer Intensität erhöht das Risiko hierfür aber mehr als 2-3 Sätze, in denen nicht bis zum äußersten gegangen wird, sondern die Intensität durch andere Techniken erhöht wird. Nicht wenige Wettkampfathleten steigen deshalb irgendwann wieder auf ein anderes Trainingssystem um, um die Verletzungsrate zu verringern. Dieses gilt insbesondere für Athleten die nicht natural sind. -
Timing/Zeitgefühl
Gerade die im modernen HIT-Training vorgeschriebenen Kadenzen machen ein sehr gutes Zeitgefühl erforderlich, bzw. benötigen einen Trainingspartner, der einem die Dauer einer Wiederholung vorgibt. Mit sinkender Kraft beginnt man sonst unbewusst die Ausführungsgeschwindigkeit zu erhöhen. Athleten, die dieses Timing aber nicht haben, konzentrieren sich unweigerlich zu sehr auf die Ausführungsgeschwindigkeit, was zu Lasten der Konzentration auf den Muskel geht. Ohne volle Konzentration auf den Zielmuskel werden sie aber nie einen optimalen Erschöpfungsgrad erreichen. -
Trainingsumfang
Das HIT-Training ist per Definition nur dann wirkliches HIT, wenn der Körper bis zum Muskelversagen geführt wird. Dann ist der optimale Wachstumsreiz gesetzt. Es stellt sich die Frage, ob nicht ggf. durch einen höheren Trainingsumfang ein größerer Trainingsreiz gesetzt werden könnte.
Nimmt man z.B. einen Anfänger beim Bankdrücken, der so viele Wiederholungen absolviert, bis er keine Wiederholung mehr schafft. Da er nur einen Satz Bankdrücken macht, geht er danach zur nächsten Übung weiter. Jetzt stellt sich aber die Frage, ob ein Anfänger wirklich in der Lage ist, seinen Muskel mit einem Satz optimal zu erschöpfen ? Letztlich fehlt ihm noch die intramuskuläre Koordination, sowie die neuralen Verbindungen, die erst ein wirkliches Gefühl für den trainierten Muskel und damit die erforderliche komplette Kontrolle ausmachen. Diese entwickeln sich aber erst im Laufe der Zeit, weshalb ein Anfänger seinen Muskel bis zum Moment des positiven Muskelversagens gar nicht so weit erschöpfen kann, wie ein Fortgeschrittener. Hier ist ein zweiter Satz vielleicht wesentlich hilfreicher für ein größeres Intensitätsniveau. -
Ausführungsgeschwindigkeit und Trainingsgewicht
Wie bereits beschrieben sollte beim HIT-Training ein eher langsames Tempo, ausgedrückt in der Kadenz, angestrebt werden. Hierfür müssen die Trainingsgewichte entsprechend reduziert werden. Es stellt sich die Frage, ob man nicht mit einer etwas schnelleren, aber immer noch kontrollierten Ausführungsgeschwindigkeit ein besseres Gefühl im Muskel und ebenso einen besseren Wachstumsreiz auf den Muskel setzten kann.
Etwas provokant ausgedrückt: Was bringt für das Muskelwachstum mehr, eine Minute mit voller Kraft gegen eine Wand zu drücken oder in der gleichen Zeit 12 Wiederholungen Bankdrücken, was bei einer 2-1-2-Kadenz immer noch als kontrolliert zu bezeichnen wäre ? -
Kniebeugen, Kreuzheben und Co.
Wie allgemein bekannt ist, sind Grundübungen für ein effektives Muskeltraining besonders bedeutsam, aktivieren doch keine anderen Übungen im gleichen Masse die verschiedenen Muskelgruppen und sorgen damit für ein anaboles Umfeld. Nur, versuchen Sie einmal Kniebeugen oder Kreuzheben bei einer 4-2-4-Kadenz mit einem wirklich nennenswerten Gewicht auszuführen. Entweder Ihr Rückenstrecker wird weit vor den anderen Muskelgruppen aufgeben, oder sie werden einen völlig übersäuerten Zielmuskel bekommen, der zwar noch Kraftreserven hat, die aber von ihnen nicht mehr aktiviert werden können, weil Sie vor lauter Brennen dazu nicht mehr in der Lage sind. Das Brennen ist aber ein Indiz für die Übersäuerung eines Muskels, nicht für Muskelversagen. Ein anderes Beispiel hierfür wäre das Langhantelrudern und ebenfalls die Ermüdung des Rückenstreckers. Nicht umsonst wird von einigen HIT-Vertretern das Unterkörpertraining von der HIT-Systematik ausgenommen. Aber auch bei Klimmzügen kann man die langsame Ausführungsgeschwindigkeit von HIT hinterfragen.






