1. HIT - Was ist das überhaupt?

Bevor man anfängt, beide Trainingsansätze miteinander zu vergleichen, sollte man erst einmal festlegen, was eigentlich der Kern des jeweiligen Trainingssystem ist.

Betrachtet man das Trainingssystem der Champions der 60er und 70er Jahre, so sieht man recht schnell, dass damals jeder Athlet ein recht umfangreiches Trainingspensum absolvierte. Der große Arnold Schwarzenegger, der auch heute immer noch das Vorbild vieler Einsteiger und Fortgeschrittener in diesem Sport ist, trainierte nach eigenen Angaben bis zu 6 Tage in der Woche mit einem 2-Tage-Doppelsplit-Training, d.h. er trainierte morgens und abends einen Trainingsplan, der es ihm erlaubte, in 2 Tagen den kompletten Körper einmal durchzutrainieren. An insgesamt sechs Trainingstagen in der Woche absolvierte er damit 3x den kompletten Körper. Auch wenn heute nicht wenige Fachleute der Meinung sind, dass Arnold dieses nur deshalb behauptete, um seinen eigenen Mythos von der Unbezwingbarkeit zu steigern und die Konkurrenz auf die falsche Fährte zu locken, so zeigt dieser Plan doch recht deutlich, dass sich damals ein intensives Training vor allen Dingen über den Umfang definierte.

Die Grundlagen des HIT-Trainingssystems (=High Intensity Training) wurden in den 70er Jahren vom Erfinder der Nautilus-Trainingsmaschinen, Arthur Jones, entwickelt. Jones vertrat den damals revolutionären Ansatz, dass die meisten Bodybuilder einen viel zu hohen Trainingsumfang praktizieren, der wiederum nur möglich ist, weil die eigentliche Trainingsintensität auf der Strecke bleibt. Jones Trainingsansatz hingegen ging in die genau entgegengesetzte Richtung. Der Trainingsumfang wurde radikal reduziert, dafür aber die Trainingsintensität gesteigert.
Weiterentwickelt wurde das ganze vom leider zu früh verstorbenen Mike Mentzer, einem der erfolgreichsten Bodybuilder der späten 70er und frühen 80er Jahre, unter dem Begriff "Heavy Duty". Mentzer, der bald für viele zu einer Art "Guru" wurde, revolutionierte für seine Anhänger das Training. Er stellte das herkömmliche Training völlig in Frage und pries sein System als das einzig Wahre. Nicht zuletzt deshalb ist Mentzer noch heute für viele aber auch sehr umstritten.
Später entwickelte Mentzer sein "Heavy Duty" weiter und formte daraus das "HIT-Trainingssystem", das auch heute noch die Basis aller intensitätsorientierten Trainingssystem bildet.


Grundlage des HIT-Trainings nach Mentzer sind drei Eckpfeiler:
  1. Trainingshäufigkeit
    Der Muskel wächst nicht während des Trainings, sondern in der Pause zwischen den Trainingseinheiten. Das Training setzt nur den Wachstumsreiz. Daher empfahl Mentzer, jeden Muskel erst dann wieder zu trainieren, wenn seine Regeneration (Erholung) und anschließende Adaption (Anpassung, d.h. Wachstum) abgeschlossen ist. Alles andere würde im günstigsten Fall in geringeren Fortschritten, im schlechtesten im gefürchteten Übertraining enden.

  2. Trainingsdauer
    Mentzer war der Meinung, dass man entweder lang oder intensiv trainieren kann. Analog, dass ein 100m-Sprinter sein Tempo nicht auf die 1000m-Distanz durchhalten kann, muß ein Bodybuilder sein Training in der Intensität immer weiter reduzieren, desto länger er trainiert. Dadurch sinkt zudem der Hormonspiegel, der nach 45 min. intensiven Trainings seinen höchsten Wert erreicht und danach wieder abfällt, was wiederum die maximalen Zuwächse begrenzt.

  3. Trainingsintensität
    Wie das I in HIT schon sagt, steht die Intensität im Mittelpunkt des Trainingssystems. Ihr wird alles untergeordnet. Dabei definiert sich die Intensität nicht durch Trainingsdauer oder Satzzahl, sondern durch die Leistung, die wiederum durch in der Trainingszeit verrichtete Arbeit gemessen wird. Je kürzer die benötigte Zeit bei gleicher Arbeitsleistung, desto höher die Intensität. Zusätzlich kommen allerlei Intensitätstechniken wie Vorermüdung, Reduktionssätze, Supersätze, Intensivwiederholungen, etc. zum Einsatz um den Zielmuskel möglichst weit an den Rand des absoluten Muskelversagens zu führen


Dem gegenüber steht das Volumen-Training. Dabei ist im Prinzip schon die Bezeichnung "Volumen" falsch gewählt und wurde von den HIT-Vertretern nur eingeführt, um eine Abgrenzung zum eigenen, eher geringe Zeit beanspruchenden Trainingssystem zu schaffen. Um es einmal deutlich zu sagen: Es gibt KEIN Volumen-Trainingssystem, da niemals ein solches definiert wurde. Vielmehr werden unter dem Begriff "Volumen" alle Trainingssystem pauschal aufgeführt, die nicht dem HIT-System entsprechen, sondern ein höheres Trainingsvolumen haben. Volumen ist also klassisches Training wie zu Arnolds Zeiten, HST (Hypertrophy Specific Training), ILB (Individuelles Leistungsbild), das 5x5-Trainingssystem, oder auch viele andere. Alle haben unterschiedliche Trainingsansätze, bei denen durchaus auch Prinzipien eingehen können, die beim HIT-Training eine Rolle spielen.
Insofern, wenn im folgenden von Volumen die Rede ist, dann sehen sie es einfach als alles das, was nicht HIT ist.


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