3. Praktische Umsetzung

Manch einer wird sich jetzt fragen, wie sich so etwas überhaupt gestalten lässt. Schließlich dauert das Absolvieren von 30 Clustern einer Übung schon eine ganze Weile. Die einfachste Antwort hierauf ist, die Übungen eher in Form eines Zirkeltrainings zu absolvieren. Hier geht man von einer Übung zur nächsten ohne eine Pause dazwischen und absolviert einen kompletten Zirkel, bevor man nach einer kleinen Pause mit dem nächsten beginnt. Da die Sätze ohne Muskelversagen absolviert werden, ist ein solches zügiges Vorgehen von der Kondition her gut möglich.
Leider hat ein solches Zirkeltraining aber auch den Nachteil, dass man alle Geräte oder Hanteln ohne Pause ständig besetzen muss. Dies ist aber in einem Studio nur schwer zu bewerkstelligen, bzw. dürfte von den meisten Besitzern kaum akzeptiert werden. Trainiert man hingegen daheim, so sind dem Zirkeltraining natürlich keine Grenzen gesetzt.
Studiomitglieder können sich aber dadurch behelfen, dass sie nicht jedes Mal den kompletten Zirkel absolvieren, sondern das Training in Blöcke von 2-3 Übungen zusammenfassen, die sie erst komplett abschließen, bevor sie zum nächsten Block kommen. So wird das Belegen von Geräten auf ein Minimum reduziert.
Aber natürlich spricht prinzipiell auch nichts dagegen, wenn man jede Übung für sich absolviert und erst dann zur nächsten übergeht. Es ist lediglich sehr zeitintensiv.

Eine weitere Einschränkung beim HST-Cluster betrifft die Auswahl der Übungen. Da eine Trainingseinheit im Laufe eines Zyklus aus immer mehr Einzelclustern besteht, wird deren Dauer umso länger, je kleiner die Clustergröße wird. Um dabei folglich den Gesamtumfang in einem überschaubaren Rahmen zu halten, bedeutet das, dass man in einer Trainingseinheit mit möglichst wenigen Übungen die Muskulatur des ganzen Körpers abdecken sollte. Dies lässt sich am besten erreichen, indem man sein Training nur aus wenigen Grundübungen aufbaut, die eine möglichst große Anzahl an Muskelgruppen belasten.
Stellen Sie sich einmal vor, sie würden einen herkömmlichen klassischen HST-Plan, wie den aus der letzten Ausgabe, als Cluster-Plan verwenden (Abb.2). Zum Ende des Zyklus wären Sie vermutlich über Stunden mit dem Training beschäftigt. Es brauchst sicher nicht erwähnt werden, dass für so einen Plan die Motivation ziemlich schnell gegen 0 gehen würde.

Abb 2: Ganzkörperplan nach HST-Prinzipien
  Woche 1+2 Woche 3+4 Woche 5+6
15 Wdh. 10 Wdh. 5 Wdh.
Übung Sätze RM +kg Train.Gew RM +kg Train.Gew RM +kg Traing.Gew
Kniebeugen 2 100 7,5 62,5-100 120 5 100-120 140 10 120-140
Gestr. Kreuzheben 2 90 5 65--90 120 5 95-120 140 10 120-140
Bankdrücken 2 75 5 50-75 90 2,5 77,5-90 105 2,5 92,5-105
Fliegende 1 15 2,5 7,5-15 20 2,5 15-20 25 2,5 20-25
Klimmzüge 2 5 2,5 0-5 +10 2,5 5-10 +15 2,5 10-15
Langhantelrudern 2 70 5 45-70 85 2,5 72,5-85 100 2,5 87,5-100
Schulterdrücken 1 60 2,5 47,5-60 70 5 60-70 80 5 70-80
Seitheben 2 12,5 1,25 7,5-12,5 15 1,25 12,5-15 17,5 1,25 15-17,5
Langhantelcurls 2 30 2,5 17,5-30 40 2,5 32,5-40 45 2,5 40-45
French-Press 2 45 2,5 32,5-45 55 2,5 47,5-55 65 2,5 57,5-65
Wadenheben 2 100 7,5 62,5-100 120 10 100-120 140 10 120-140
Gesamt 20  
RM: Repetition Maximum (das Maximalgewicht für die angegebene Wiederholungszahl)

Idealerweise besteht eine Cluster-Trainingseinheit damit nur aus 4-6 Übungen, wobei besonders den großen drei, also Kniebeuge, Bankdrücken und Kreuzheben, hier eine zentrale Stellung zukommt. Je nach Schwerpunktsetzung eines Zyklus lassen sich diese noch mit 1-3 Übungen ergänzen. Bei einem noch größeren Umfang würde sich schnell zeigen, dass der Trainingsumfang zu groß wird.

Möchte man sich doch noch etwas weiter auf bestimmte Muskelgruppen spezialisieren, so bleibt nur, das Training aufzusplitten, wobei aufgrund der notwendigen Trainingshäufigkeit hier, wie beim klassischen HST, maximal ein 2er-Split in Frage kommt.
Dies macht aber auch das Ziel von Cluster-HST deutlich. Es ist wie geschaffen dafür, richtig Muskelmasse auf den Körper aufzupacken und so die Grundlage für eine spätere, gezieltere Herausarbeitung der Feinheiten zu legen. Wer hingegen mehr auf ein „Gesamtkunstwerk“ hinarbeiten möchte, bei dem jede noch so kleine Muskelgruppe optimal entwickelt und separiert wird, der ist mit Cluster-HST sicher falsch bedient. Man könnte auch sagen, dass Cluster-HST das Breitschwert zum Muskelaufbau darstellt und sicher nicht mit einem Schnitzmesser vergleichbar ist. Für den Aufbau von Muskelmasse ist es aber ein sehr interessanter Ansatz, der für jeden Trainingsstand, also vom leicht Fortgeschrittenen bis zum Wettkämpfer, eingesetzt werden kann.

Noch ein paar Worte zur Trainingshäufigkeit: Wie beim klassischen HST, so gilt auch beim Cluster-HST das Prinzip des „frequent load“, also der häufigen Trainingsbelastung. Um die Summationseffekte der Trainingseinheiten optimal auszunutzen, ist ein mindestens 3x wöchentliches Training erforderlich. Ein Ganzkörpercluster kann aber durchaus auch öfters ausgeführt werden. Hier sollte man für sich selbst herausfinden, wo die körperlichen Belastungsgrenzen liegen, wobei aber auch immer ausreichende Ruhepausen eingeplant werden sollten.


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