1. Zerrungen – in der Statistik ganz oben
Fast jeder Sportler kennt das Gefühl: eine unachtsame Bewegung
und plötzlich verspürt man ein Ziehen oder einen krampfhaften
Schmerz im Muskel. Zerrungen bilden bei den direkten
Trainingsverletzungen im Bodybuilding die Nummer Eins.
Die typischen Symptome für eine Zerrung sind meistens gleich. Erst
spürt man ein zunehmendes Unbehagen im Muskel, das nicht richtig zu
identifizieren ist. Danach setzt ein Ziehen in Verbindung mit einem
zunehmenden Spannungsgefühl ein und schließlich entstehen
krampfartige, stechende Schmerzen. In seinem Ehrgeiz möchte der
Sportler meist nicht aufhören und versucht zunächst die Übung
weiterzumachen oder, wenn das nicht möglich ist, das Training
anderweitig fortzusetzen. Je länger der gezerrte Muskel aber weiter
belastet wird, desto mehr verschlimmert sich die Zerrung.
Die Ursache für diese Verletzung ist in den meisten Fällen eine
mangelhafte Vorbereitung vor dem Training und der körperlichen
Belastung. Gerade dem richtigen Aufwärmen kommt dabei ein zentraler
Aspekt zu. Aber auch Fehlstellungen der Arme oder Beine, sowie ein
vermehrtes Schweißaufkommen, wie es im Sommer bei höheren
Temperaturen vorkommt, kann durch den vermehrten Flüssigkeits- und
Mineralsalzverlust eine Zerrung begünstigen.
Am wichtigsten bei der Erstversorgung einer Zerrung ist die
„Entspannung“ des Muskels. Immer noch gibt es Sportler
die meinen, eine Zerrung mit wärmenden Salben behandeln zu müssen,
weil diese erst einmal „gut“ zu tun scheinen. Genau das
Gegenteil solle man aber tun! Kälte ist in diesem Fall das Mittel
der Wahl. Entsprechende Kühlkompressen sollten in keinem Studio im
Erste-Hilfe-Kasten fehlen, aber auch ein in Eiswasser getränkter
Schwamm sind zur Erstversorgung geeignet. Wickeln Sie die
Kühlkompresse mit einer in Eiswasser getränkten Binde fest und
großflächig an die verletzte Muskelpartie. Meist sind durch diese
Maßnahme nach 20 Minuten die Beschwerden deutlich gemindert, da die
Kälte spannungslösend wirkt. Sollte das allerdings nicht der Fall
sein, so kann auch ein Faserriß vorliegen.
Nach dem Druckverband sollten Sie dazu übergehen, die verletzte
Muskelpartie mit gezielten Übungen zu dehnen. Wichtig ist, dass
dabei vorsichtig mit sanftem Dehnen begonnen und der schmerzfreie
Bereich nicht verlassen wird. Dehnen Sie jeweils 7-10 Sekunden und
wiederholen Sie diesen Schritt 10-15-mal. Anschließend wird bis zum
nächsten Tag ein Salbenverband mit einer kühlenden Sport- oder
Rheumasalbe angelegt.
Auch in den Tagen nach der Verletzung sollte die gezerrte
Muskelparte wiederholt sanft gedehnt werden. Liegt die Zerrung im
Bein, so kann auch zusätzlich ein leichtes Ergometertraining von 15
Minuten im schmerzfreien Bereich absolviert werden. Anschließend
sollte wieder für 20 Minuten ein kühlender Verband wie oben
beschrieben angelegt werden. Unbedingt vermeiden sollten Sie
hingegen alle Belastungen mit Gewicht oder Schnellkraftbewegungen.
Der Muskel muss nach einer Zerrung erst wieder neu motiviert und
geschult werden.
Bei richtiger Versorgung einer Zerrung kann in der Regel eine
Wiederaufnahme des Trainings bereits nach 4-5 Tagen erfolgen. Beim
Wiedereinstieg sollte aber darauf geachtet werden, alle Belastungen
schmerzfrei auszuführen.
Vorsicht: Wird trotz einer Zerrung der Muskel weiter belastet, so
kann die eigentlich folgenlos ausheilende Verletzung zu Faserrissen
bis hin zu Abrissen führen.


