6. Verletzungsprävention, damit es nicht soweit kommt

Bislang drehte sich dieser Artikel nur um die Behandlung von Verletzungen. Besser als jede Behandlung ist es aber, von Anfang an mögliche Schäden zu vermeiden. Zentrale Bedeutung für die Gruppe der Muskel- und Bänderverletzungen hat dabei das richtige Aufwärmen vor dem Training, doch gerade in diesem Bereich werden besonders viele Fehler begangen. Nicht wenige Sportler verwechseln das Aufwärmen mit einem leichten Cardio-Training auf dem Ergometer. Das mag beim Beintraining noch einen geringen Effekt haben, spätestens aber beim Training des Oberkörpers verfehlt es sein Ziel völlig, ist doch die zu trainierende Muskulatur gar nicht involviert.

Besser ist es neben einem kleinen Anschieben des Kreislaufs auf dem Fahrrad, Stepper oder Laufband, die in der entsprechenden Einheit zu trainierende Muskulatur gezielt zu erwärmen. Am leichtesten erreicht man das mit einem langsamen Herantasten an das entsprechende Trainingsgewicht, wobei man den maximalen Bewegungsradius nutzt. So kombiniert man ein Warming-Up der jeweiligen Muskelpartie mit einem kurzen Stretching.
Grundsätzlich kontraproduktiv bis hin zum Steigern des Verletzungsrisikos sind hingegen Dehnpositionen, in denen lange statisch gestretcht wird. Das Halten einer Dehnung über einen Zeitraum von 15-20 Sekunden oder noch länger nimmt dem Zielmuskel seine Spannung und schwächt ihn dadurch vor dem Training. War eine solche Vorgehensweise noch vor wenigen Jahren Stand der Wissenschaft, so raten führende Sportmediziner davon mittlerweile dringend ab. Stretching mit langen Dehnpositionen gehört nur an das Ende der Trainingseinheit.

Aber auch während des Trainings sollten Sie versuchen, die Muskulatur immer warm zu halten. Gerade im Kraftsport mit seinen teilweise recht langen Pausen zwischen zwei Sätzen kann die Muskulatur sonst immer wieder erkalten, was bei der folgenden Belastung das Verletzungsrisiko erhöht.
In ganz besonderem Maße gilt dies auch für die Gelenke. Ein gut aufgewärmtes Gelenk wird besser durchblutet und es gelangen mehr Nähr- und Schmierstoffe in die Gelenkflüssigkeit. Diesen Effekt bemerkt gerade ein bereits vorgeschädigter Sportler, der nach gezieltem Aufwärmen deutlich weniger Schmerzen verspürt als vorher.
In jedem Fall sollten Sie versuchen die Pausen zwischen den Sätzen nicht zu lang werden zu lassen oder, wenn das nicht möglich ist, entsprechende Kleidung tragen. Wer im Winter bei den in nicht wenigen Studios kühlen Temperaturen meint mit Shorts und Muscle-Shirt trainieren zu müssen, der muss sich nicht über Verletzungen wundern.

Neben der direkten Prävention vor und während des Trainings sollten Sie aber auch die Gefahr schleichender Überlastung durch ständiges schweres Training am Limit nicht unterschätzen. Gerade die Sehnen und Bänder können in der Regel mit dem Wachstum der Muskulatur nicht Schritt halten, weshalb man auf Hypertrophiephasen immer Abschnitte mit niedrigeren Trainingsgewichten und höheren Wiederholungszahlen folgen lassen sollte. Mit der dadurch entstehenden Periodisierung werden alle Bereiche des Bewegungsapparats gleichermaßen entwickelt und Überlastungsschäden wirksam vermieden.


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