3. Nichtlineare Periodisierung – ein Schritt in die richtige Richtung

Beim Konzept der nichtlinearen Periodisierung hat man dieses Manko erkannt und versucht es zu umgehen. Dies geschieht in der Regel dadurch, daß öfters zwischen den Wiederholungsintervallen gewechselt wird. Dies kann regelmäßig in etwas größeren Abständen geschehen, wie es beim klassischen HST der Fall ist, wo alle 2 Wochen der Wiederholungsbereich gewechselt wird, bis hin zu einer Änderung von Trainingseinheit zu Trainingseinheit. Auch Schwankungen sind möglich, bei denen zum Beispiel jeweils 2 Wochen auf Hypertrophie und Maximalkraft trainiert wird, während anschließend eine Woche Kraftausdauer folgt.
Grundsätzlich ist dieser Ansatz natürlich nicht schlecht. Eine Dekonditionierung, wie sie bei 6 oder 12 Wochen Belastungspause zwischen den Zyklen bei linearer Periodisierung entsteht, wird vermieden. Bei einer Pause von vielleicht nur einer Woche ist ein Verlust der Maximalkapazität nicht unbedingt zu erwarten, wenngleich auch nicht auszuschließen.

Dafür hat diese Form der Trainingsgestaltung aber wieder einen anderen Nachteil. Der menschliche Körper ist ein Gewohnheitstier, gibt man ihm ständig einen anderen Trainingsreiz, so wird er nie mit einer optimalen Adaption reagieren können, einfach weil ihm gar nicht erst die Zeit dazu gelassen wird. Das betrifft nicht nur das ständige Ändern von Übungen im Plan. Auch beim ständigen Verändern der Zielfasern beim Training spielt eine gewisse Konstanz eine Rolle.

Ein Beispiel:
Nehmen wir an, sie trainieren einen 2er-Split mit 4 Einheiten pro Woche. Montags und Donnerstags ist Einheit 1 fällig, bei der Sie einmal Bankdrücken im Maximalkraftbereich absolvieren und in der nächsten Einheit im Hypertrophiebereich, bis in der ersten Einheit der Folgewoche schließlich Kraftausdauer auf dem Programm steht. Sie trainieren also nur alle 10 Tage den Muskel im niedrigen Wiederholungsbereich auf Maximalkraft. Geht man nun davon aus, daß der Brustmuskel eine Regenerationsdauer von durchschnittlich 48-72 Stunden hat, was 2-3 Tagen entspricht und rechnet anschließend eine Superkompensation dazu von ca. 24-48 Stunden, so bedeutet das, daß nach 3-5 Tagen im besten Fall Stagnation eintritt, nach 10 Tagen aber bereits eine Dekonditionierung sicher ist, der Muskel also seinen Höchstsstand nicht mehr erreicht.
Dazu kommt, daß sich in diesem Fall mehrere Trainingsreize überlagern, die nicht gleichzeitig gesetzt werden und damit kumulieren, sondern nacheinander. Vereinfacht ausgedrückt sagen Sie dem Muskel erst „Werd stärker!“, wenige Tage darauf hingegen „Wachse!“ und am Anfang der Folgewoche „Deine Kraftausdauer muss besser werden!“ Spätestens zu diesem Zeitpunkt dürfte er vollkommen verwirrt sein und nicht mehr wissen, was Sie eigentlich von ihm wollen. Das Ergebnis ist, daß er zwar probiert alle drei Ziele unter einen Hut zu bringen, dies aber eher halbherzig geschieht.

Das bedeutet letztlich, daß auch diese Form der Periodisierung in ihren Ergebnissen nicht optimal ist. Zwar sind sie besser als bei der linearen Form, aber dennoch alles andere als optimal. Hier kommt die Verschmelzung der verschiedenen Periodisierungszyklen durch konjugiertes Training ins Spiel.


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