2. Herkömmliche, lineare Periodisierung

Wie man vielleicht bereits vermuten kann, werden hier die einzelnen Zyklen am längsten verfolgt. Im herkömmlichen Sinne dauern die einzelnen Abschnitte ca. 4-6 Wochen, in Ausnahmefällen auch länger. Dabei widmet sich jeder einzelne Zyklus einem bestimmten Ziel. Wird in dem einen nur an der Kraftausdauer gearbeitet, so widmet sich der nächste vielleicht der maximalen Muskelhypertrophie, während ein weiterer besonders dem Kraftaufbau gewidmet ist. Angestrebt wird dabei eine möglichst umfassende Erfassung aller drei wichtigen Komponenten des Krafttrainings.

Diese Form der Trainingsplanung hat aber auch noch andere Vorzüge. So kann ein Training im niedrigen Wiederholungsbereich für Maximalkraft auch eine Verbesserung der inter- und intramukulären Koordination bewirken, also die Anzahl der bei der Bewegung maximal aktivierten Muskelfasern, sowie das Zusammenspiel der anderen Muskelgruppen, was mit einer optimierten Trainingstechnik einhergeht, verbessern.
Ein Training im Kraftausdauerbereich wiederum bewirkt auch eine Stärkung von Sehnen- und Bänderapparat des Körpers, die wesentlich länger zur Anpassung benötigen als die Muskulatur selbst und zudem besonders gut auf höhere Wiederholungszahlen ansprechen. So wird dem Kraftzuwachs aus dem einen Zyklus im folgenden ein ebensolcher Zuwachs bei den Sehnen hinzugefügt, was auf Dauer Verletzungen durch Überlastung vermeiden hilft.


Abb.2: Beispiel für einen Makrozyklus bei einem Fortgeschrittenen
  Mesozyklus I Mesozyklus II Mesozyklus III
Dauer 6 Wochen 6 Wochen 6 Wochen
Trainingsmethode Maximalkraft Hypertrophie Kraftausdauer
Wiederholungszahl 3-6 8-12 15-25

Wer schon einmal diese lineare Form der Periodisierung ausprobiert hat, der wird allerdings auch schnell ihren größten Nachteil festgestellt haben. So wie jeder Zyklus sich nur einem Ziel verschreibt, werden die Ziele der anderen Zyklen in dieser Zeit vernachlässigt. Das Ergebnis ist eine Dekonditionierung der erreichten Kapazitäten der vorhergehenden Zyklen. Oder, mit anderen Worten, sie kämpfen sich zum Beispiel in einem Maximalkraftzyklus mühsam zu einer neuen Spitzenleistung vor, um im folgenden Kraftausdauerzyklus den Körper auf eine völlig andere Weise zu belasten, bei der die vorher beanspruchten Fasertypen aber nur noch einen zu geringen Trainingsreiz bekommen, um erhalten zu bleiben, geschweige denn weiter zu wachsen. Das Ergebnis ist, daß sie, wenn Sie irgendwann einen neuen Maximalkraftzyklus beginnen, wieder bei der alten Anfangsleistung beginnen dürfen. Im günstigsten Fall konnten Sie einen kleinen Teil der gewonnenen Kraft halten. Sie können sich vorstellen, daß man auf diese Weise nur sehr langsam vorwärts kommt. Dennoch ist eine solche Art der Periodisierung immer noch der Stand vieler Trainerausbildungen und wird damit als „State of the Art“ in den heutigen Studios verkauft.


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