2. Muskelfaserrisse
Im Gegensatz zur Zerrung, bei der sich ein krampfhafter Schmerz
bei fortgeführter Belastung entwickelt, verspürt der Sportler bei
einem Faser- oder Bündelriss einen plötzlichen Akutschmerz, der
keine weitere Belastung mehr zulässt. Der Schmerz wird dabei, je
nach Schwere und Ausmaß, als Nadel- oder Messerstich empfunden. Ein
Hämatom muss bei einem Faserriss nicht unbedingt sichtbar werden.
Sollte es dennoch zu einem Bluterguss kommen, besteht der Verdacht
auf einen Muskelbündelriss oder -abriss.
Die Ursachen für Muskelfaserrisse sind meist in extremen
Belastungen zu suchen, in deren Verlauf der Muskel übermüdet
und/oder übersäuert. Ähnlich wie bei der Zerrung können hier aber
auch schlechtes Warming-Up, ein ungenügender Trainingszustand, zu
hoher Mineralstoffverlust durch starkes Schwitzen oder eine nicht
ausgeheilte Verletzung verantwortlich sein.
Von entscheidender Wichtigkeit ist bei einem Muskelfaserriss die
schnellstmögliche Erstversorgung. Fehlerhaftes oder ausbleibendes
Handeln kann hier die Regenerationszeit beträchtlich verlängern
oder eine Heilung völlig unmöglich machen. Spätestens 10 Minuten
nach der Verletzung sollte wie bei der Zerrung ein kühlender
Druckverband angelegt sein, da nach dieser Zeit eine
Selbstregulierung des Körpers an der verletzten Stelle einsetzt,
die den Heilungsprozess entscheidend verlängert. Als Faustregel
kann gelten, dass jede versäumte Minute die Regeneration um einen
Tag verlängert.
Allerdings gibt es im Gegensatz zur Zerrung einen wichtigen
Unterschied: Zwar kann bei beiden nach 20 Minuten der Verband
gelöst werden, beim Faserriss sollte aber daran anschließend nach
weiteren 4-5 Minuten ein neuer Druckverband angelegt und diese
Prozedur 3-4-mal wiederholt werden. Die jeweiligen Pausen
dazwischen sollten sind einzuhalten, um den Muskel wieder mit
Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Während der gesamten Zeit
darf der Muskel nicht belastet werden, um die Stoppung der Blutung
nicht weiter hinauszuzögern.
Wichtig ist auch, dass der Verletzte anschließend nur mit
angelegtem Verband duscht, da das warme Wasser ansonsten eine
Nachblutung provozieren könnte. Nach dem Duschen wird für weitere 8
Stunden ein kühlender Verband mit einer Sportsalbe angelegt und die
Region weiterhin nicht belastet.
Schmerzmittel sollten bei einem Muskelfaserriss grundsätzlich nicht
eingesetzt werden. Durch die verminderte Schmerzwahrnehmung erfährt
die Verletzung meist nicht die notwendige Schonung, wodurch sich
der Heilungsprozess unnötig verlängert.
Die weitere Versorgung eines Muskelfaserrisses sollte unbedingt mit
einem Arzt oder Physiotherapeuten abgesprochen werden. Hier werden
zumeist die übrigen funktionell gleichgerichteten Muskelregionen
aktiviert, welche die Aufgaben der verletzten Muskeleinheit
übernehmen sollen. Außerdem wird einer Verkürzung des Muskels
entgegengewirkt. Nach ca. 5 Tagen kann so häufig wieder mit einer
leichten Belastung der Muskelgruppe begonnen werden, zumindest,
solange keine Schmerzen oder Spannungen an der verletzten Region
entstehen. Bei zu früher oder zu hoher Belastung droht ansonsten
eine deutlich längere Rehabilitationsphase.






