Vor einer Woche fand die Deutsche Meisterschaft 2007 des DBFV/IFBB statt, auf der unser Forenmoderator Ruben Krapf in überragender Weise den Gesamtsieg der Junioren holen konnte und nach Meinung vieler Insider DIE Sensation der Meisterschaft war. Berichte über die Deutsche gibt es schon genug im Netz, deshalb möchten wir keinen weiteren abliefern, sondern lieber Ruben selbst zu Wort kommen lassen, wie er die Deutsche erlebt hat und was für Gefühle durch ihn gingen, als er endlich den so lange ersehnten Pokal in der Hand hielt. Hier sein Bericht...Es ist der 11.5. – 22.00Uhr. Mit Reiswaffeln in der Hand versuche ich mich in der unbekannten Umgebung meines bezogenen Hotelzimmers durch den zimmereigenen 10x10cm großen Fernseher von dem morgigen Tag abzulenken.Aber es gelingt nicht so richtig. Andauernd ertappe ich mich dabei mein Posing durchzugehen, meine Wettkampfutensilien auf Vollständigkeit zu prüfen und an der Bauchfalte zu ziehen.
Die Minuten scheinen im Stundentakt zu vergehen – ich kann es kaum erwarten. Aber bin eigentlich nicht mit meiner Form zufrieden und habe etwas Angst, dass ich meine Bestform bis zum Morgen nicht erreichen kann. So vergehen dann die Minuten bis es endlich Morgen wird. Ich glaube, dass ich schon ein paar mal weggenickt bin aber von richtigem Schlaf kann man nicht sprechen.
Die Nacht zieht sich und ich erfreue mich über jeden Tropfen Wasser, den ich verlieren kann. Stündlich stehe ich auf, schiebe mir eine Reiswaffel in den Mund und gehe auf die Toilette. Anschließend muss ich natürlich an dem Spiegel vorbei, in den ich immer einen Blick werfe. Und die Hoffnung steigt. Die Form wird stetig besser, so wie geplant. "Klasse!", denke ich. "Das kann ja was werden."
Bis 6.00 Uhr halte ich es allerdings dann doch nicht aus. Um 5.00Uhr stehe ich auf und mache einen kleinen Spaziergang. Um 7.00Uhr soll es Frühstück geben und ich kann es kaum abwarten wieder Nutella, Schinken und all die leckeren Sachen zu mampfen, die mir Erik zum Laden am Wettkampftag erlaubt hat. Mir läuft das Wasser bei dem Gedanken daran förmlich aus den Mundwinkeln.
Als es dann irgendwann 6.45Uhr ist denke ich: "Ach Mensch die 15 Minuten machen die Katze nicht fett" - und stürme die seelenverlassene Frühstücksebene. Dort liegen warme Brötchen, Schinken, Nutella, Ei... wie ich es mir erträumt habe. Der Raum ist noch halbdunkel aber ich fang schon einmal "gemütlich“ an meine Brötchen zu schmieren – etwas hastig – aber man könnte es noch "schmieren" nennen. Die Speichelproduktion scheint auf Hochtouren zu laufen.
Später treffen dann die anderen ein. Markus (Becht), Moni (Jühlen), Kwax, Mike... es ist ein gemütliches Beisammensein aber dennoch erkennt man die Anspannung in den ausgezehrten Gesichtern. Ich bin neben den Frauen als erster dran und muss mich langsam fertig machen. So verabschiede ich mich von „unserem" Hessenstammtisch und mache nochmals ein kleines Stündchen ein Nickerchen, da geht schon der Wecker. Schnell nochmal alles durchgehen... okay!
Die Stadthalle ist schon gefüllt mit Leuten , unter anderen auch bekannte Gesichter. Jeder beäugt sich nur – keine Begrüßung. Aber ich bin ja nicht zum Grüßen hier. Ab in den Athletenbereich. Dort ist schon fast alles belegt. Wie im Schwimmbad komme ich mir vor und finde es irgendwie unverschämt, mich neben irgendeine wildfremde Person zu legen. Also quetsche ich mich neben Mike und Kwax, die das wohl weniger freut.
Brian (Nold) vom HBBKV ist dann auch direkt zur Stelle und wir beginnen mit dem Eincremen und leichtem Aufpumpen. Noch 10 Minuten heisst es. Ich denke: "Hey mit Farbe sieht das Ganze ja nochmal besser aus, hehe!" Endlich geht es dann aufgepumpt auf die Bühne. Ich kann schon am Vorhang vorbeischauen. "Woah soviele Menschen – und das ist erst die Vorwahl..." Ein wenig Lampenfieber habe ich schon. Mir gehen die Ohren zu – Shit!
Die Vorwahl beginnt , ich schlage mich recht gut. Bis Tobi Rössle mir dann ein Zeichen gibt. Ich höre immer noch nichts – aber anscheinend stimmt irgendwas nicht. Ich schaue mich um und stelle fest, dass ich die falsche Pose eingenommen habe. Meine Ohren glühen...
"Und Bauch und Beine", die letzte Vergleichspose, denke ich. Ich triefe vor Schweiss und bin schon stark außer Atem. Verrückt.
Dann ist es durchgestanden. Ich konnte es nicht abwarten und stürme schnell in den Zuschauerraum. Erik ist stolz und zuversichtlich, dass alles so gelaufen ist wie es sollte. Meine Mama und Lothar sind auch mega stolz und ich – ich bin überglücklich, dass ich sogar zwei solch gute Freunde habe, die den weiten Weg von Trier nach Gersthofen finden, um mich anzufeuern. Um es auf den Punkt zu bringen – ich schwebe auf Wolke 7, könnte hüpfen tanzen und singen. Zur Belohnung geht es dann zum Italiener – 8 Bällchen. Ich glaube in meinem ganzen Leben habe ich noch nie so schnell 8 Bällchen gegessen und manchmal gar nicht die Geschmackssorten gemerkt. Aber es ist trotzdem ein Genuss...


17.00Uhr Finale...:
Die Form wird seit dem Italiener nochmals besser. Mein Wecker klingelt: Ich springe auf – mit dem rechten Bein zuerst und sacke zusammen. "Fuck!", ich habe einen Krampf. Ich denke nur, dass das wirklich nicht wahr sein kann – SO KURZ VOR DEM FINALE. Aber nach dem ersten Schock erstmal: "Ganz ruhig – verfrachte Dich in eine krampflose Position und ruf die BamBam's Corner-Seelsorge an, meinen Coach und Freund Erik." Gottseidank ist er an dem Tag auch in Gersthofen, um meine Show zu sehen. Er sagt mir, was ich gegen den Krampf tun soll, aber der Krampf ist schon wieder vorbei. Dennoch treffe ich ihn beim Italiener, wo er gerade den dritten Teller vom Buffett isst und wir die letzten Dinge fürs Finale besprechen. Der Krampf scheint nicht mehr all zu schlimm zu sein und ich kann mein Bein schon wieder ohne Schmerzen anspannen. Glück gehabt! In der Stadthalle angekommen stelle ich fest, dass nochmal mehr Menschen dort sind und ein Vorkommen in den Athletenbereich durch diese nur schwer möglich ist.
So genieße ich, wie zur Vorwahl, wieder den gleichen Luxus des Einklatschens, genieße den Duft des Selbstbräuners und konzentriere mich vollkommen auf mich selbst. (Danke Brian und Hans für eure Unterstützung).
10 Minuten vorher geht es dann in den Pumproom. Zur gleichen Zeit sind die Frauen noch draußen. Die Junioren bestarren sich untereinander mit finsteren Gesichtern und ich denke: "Ach komm, quatschst du mal einen an, so schlimm können sie ja nicht sein". Der Arme ist dann der spätere Dritte meiner Klasse, Thomas Mencel, der sich als wirklich cooler und fairer Athlet herausstellt und außerdem in ausgesprochen guter körperlicher Verfassung ist. Weil ich nicht alleine zum Bankett gehen will versuche ich noch kurz alle anderen Jungs aus der Juniorenklasse zu überreden doch auch dort zu erscheinen, dann geht es schon los.

Wieder erhasche ich einen Blick durch den Vorhang. "Nochmal mehr! Reiss dich zusammen und gib dein Bestes!" Tobi ermutigte mich noch einmal, genauso wie Hans.
Die Pflichtposen meistere ich diesmal ohne Komplikationen, ich höre ja auch wieder war. Mein Posing funktioniert ebenfalls einwandfrei. Und erst das Posedown – Oh Mann, mir läuft es kalt den Rücken runter. Das Publikum geht richtig mit. Rhytmisch zum Takt wird geklatscht – ich höre meinen Namen. Wow – quasi „All eyes on me“. Ich bin wirklich überwältigt – dieses Gefühl ist unbeschreiblich und unbezahlbar. Die Qualen der Diät sind ab diesem Zeitpunkt für mich verschwunden. Ich denke nur: "Das war es wert!" Der glücklichste Moment ist dann die vorderste Platzierung bei den Junioren II. Ich denke ich verliere ein paar Tränen als ich die Trophäe entgegen nehme – vor Freude, dass dieser Tag so perfekt werden würde hätte ich mir nie erträumt. Das folgende Gesamtsiegerstechen kann ich dann auch für mich ausmachen. Aber ich fühle mich elend, ich habe Verstopfung, Kopfschmerzen und muss auf die Toilette. Abgesehen davon bin ich nun dreimal hintereinander auf der Bühne, reicht das nicht langsam? Aber ich ziehe es durch! Auch diesen Vergleich entscheide ich für mich. Ich bin wirklich so am Ende, dass mir die Energie fehlt, um zu weinen als mir der schönste Pokal, den ich je gesehen habe verliehen wird. Mit allerletzter Kraft danke ich der tosenden Menge und kehre keuchend in den Backstagebereich zurück. Stolz wie Oskar lasse ich aber nicht von meinen Pokalen ab. Ich habe es tatsächlich geschafft meinen Traum zu verwirklichen.

Ich stürme zu meinen Eltern, meinen 2 besten Freunden und zu Erik. Alle sind mega happy und ich überfalle sie mit Küssen, Umarmungen und Danksagungen. Eben weil ich weiß ,dass meine Eltern sich wieder ihren „normalen“ Sohn wünschen, meine Freunde mich wieder am Wochenende mit dabei haben wollen und Erik mal nicht von mir "genervt" werden will.
Nun kommen tausende Leute auf mich zu, gratulierten mir. Am meisten freue ich mich über das attraktive weibliche Geschöpf, dass mir gratuliert und ich habe die Ehre, diesen Moment mit einem Foto festzuhalten.
Den restlichen Tag verbringe ich damit diverse Süßigkeiten anzutesten und später auf dem Bankett nochmal richtig mein Bäuchlein zu füllen.
Deutscher Juniorengesamtsieger 2007 - ICH HABE ES GESCHAFFT!!!!!!!

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(c) der Wettkampfbilder bei Ben Kutscher / www.bbszene.de
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