BamBam’s View – Du bist, was Du isst!
Kennen Sie das Buch, bzw. den Film „Thinner“ von Stephen King? Ein übergewichtiger Anwalt wird von einem Fluch heimgesucht, der ihn immer dünner werden lässt, egal wie viel und was er auch isst, bis er irgendwann ein lebendes Skelett ist.
Eine Fantasiegeschichte - dennoch könnte man meinen, dass sie für nicht wenige Bodybuilder Realität ist. Zwar nicht dergestalt, dass sie trotz Futterns wie ein Scheunendrescher immer weiter abnehmen, aber nach oben geht der Gewichtszeiger bei ihnen auch nicht. Bedeutet das also, dass es wirklich verfluchte Menschen gibt? Nein, sicher nicht, zumindest nicht, solange man darunter keine schwere Krankheit wie Krebs versteht, bei der „Thinner“ Realität werden kann. Aber bei jungen, kerngesunden, aktiven Menschen?
Also, woran mag es liegen, das gerade die Welt der Bodybuilding-Anfänger voll von ektomorphen Menschen ist, die meinen, das sie eine spezielle Wunderernährung brauchen, um Muskeln aufzubauen und die man besonders in der Welt des World-Wide-Web und seinen Internetforen in großer Zahl finden kann?
Oder mal anders gefragt: Wann nimmt man zu? Damit meine ich jetzt nicht, ob man Muskeln oder Fett zunimmt, sondern einfach nur, ob man überhaupt sein Körpergewicht steigert. Die Antwort ist eigentlich simpel. Man nimmt zu, wenn man mehr isst, als der Körper verbraucht. Schlaue Menschen haben das noch weiter aufgeschlüsselt in den Grund- und Leistungsumsatz des Körpers, die zusammen seinen Erhaltungsbedarf liefern, bei dem man exakt sein Körpergewicht hält. Aber letztlich ist das irrelevant. Essen Sie mehr als Ihr Körper an Energie verbrennt und das Körpergewicht steigt. Wo soll die überschüssige Nahrung auch hin? Verdunsten? Ins All gebeamt werden? Wäre natürlich eine super Lösung und würde die komplette Diätindustrie glücklich machen, doch leider ist die Enterprise gerade in einer anderen Galaxie unterwegs.
Das einzige, das wichtig ist, ist die Nahrungsmenge, ab der ein Zustand der Gewichtszunahme eintritt und diese ist bei jedem Menschen verschieden. Bei dem einen reicht bereits wenig Nahrung aus, um diesen Zustand erreichen und man spricht dann von einem „langsamen“ Stoffwechsel, beim anderen ist wiederum deutlich mehr notwendig und sein Stoffwechsel ist „schnell.“ Das ist dann oftmals der Personenkreis, von dem immer gesagt wird: „Der kann Essen, was er will, aber er nimmt nicht zu.“
Nur, rein statistisch gesehen sind die Menschen mit einem schnellen Stoffwechsel nicht mehr als solche mit einem langsamen. Wieso sollte es also im Bodybuilding überproportional viele von ihnen geben? Die Antwort ist ganz einfach: Es gibt sie gar nicht.
Wir leben in einer sehr hektischen Welt heute und die wenigsten Menschen haben wirklich noch die Muße, sich wirklich mit ihrer Ernährung zu beschäftigen, richtig zu kochen und auf eine ausgewogene Zufuhr der Nährstoffe zu achten. Bei vielen gibt nicht einmal mehr ein richtiges Frühstück, sondern auf dem Weg zur Arbeit einen Becher Kaffee „to go“ und dazu irgendwas vom Bäcker in die Hand. Mittags ebenfalls was vom Stand um die Ecke und abends wird irgendein Fertiggericht warm gemacht. Viele „vergessen“ ob der Hektik im Leben das Essen auch einfach. Wer da einmal eine große Portion Nudeln zusätzlich isst, denkt dann freilich gleich, dass er ein guter Esser ist.
Ich mache diesen schönen Sport jetzt seit 20 Jahren, dennoch habe ich in all den Jahren wirklich nur eine Handvoll Sportler erlebt, die wirklich so einen extrem schnellen Stoffwechsel hatten, dass sie nur sehr schwer zunahmen und damit einem stark ektomorphen Körpertyp entsprachen. Genauso gab es nur extrem wenige sehr fettleibige Sportler. Bei allen anderen saß das Problem nicht vor dem Teller, sondern lag darauf (oder eben nicht). Nur, weil einer einen etwas schnelleren Stoffwechsel hat, ist er nicht gleich ein Hardcore-Ekto, genau wie einer mit „Love-Handles“ nicht krankhaft adipös ist.
Bodybuilding ist ein Sport, in dem die Ernährung eine zentrale Rolle spielt, mehr als in fast allen anderen Sportarten. Das liegt daran, dass es am Ende nur um den größten Muskelaufbau und den niedrigsten Körperfettgehalt geht. Beides lässt sich aber nur durch die Ernährung steuern. Das Training setzt nur den Reiz, zum Umsetzen braucht es Baustoff. Dieser muss aber dauerhaft zur Verfügung stehen, nicht an einem Tag ja und am anderen Tag wieder nicht. Oder, mit anderen Worten, wenn man am Wochenende isst wie ein König, unter der Woche aber wie ein Bettelmann, dann kann man keinen Anspruch auf den Thron erwarten. Da kann man noch so hart und intensiv trainieren. Das ist genauso, als wenn man im Auto ständig Vollgas gibt, jedoch der Tank leer ist.
Die Lösung, wenn man nicht zunimmt, ist ganz einfach – mehr essen. Hört sich profan an, ist es auch. Wenn Sie zu den Menschen gehören, die nicht zunehmen beim Bodybuilding, dann machen Sie doch einfach einmal den Selbstversuch. Schreiben Sie einmal auf, was sie den ganzen Tag essen. Nicht nur für einen Tag, sondern ruhig mal für 3-4 Tage. Anschließend essen Sie jeden Tag den gleichen Plan noch einmal, aber einfach eine Mahlzeit mehr. Oder trinken Sie einen zusätzlichen Proteinshake, bei dem Sie 1-2 Bananen dazu essen. Wenn Sie vorher nicht zugenommen habe, so dürfen Sie gespannt auf die Waage schauen.
Irgendwo im Hintergrund höre ich jetzt jemanden flüstern: „Mein Kalorienrechner sagt mir aber, dass ich schon über meinem Bedarf bin!“ Mag ja sein, nur, hier ist es genau umgekehrt, hier liegt das Problem nicht auf dem Teller (bzw. Computer), sondern es sitzt davor. Denn wer füttert den Kalorienrechner mit Daten? Der User. Und da wären wir wieder beim Thema der eigenen Wahrnehmung. Wenn ich dem Rechner die falschen Daten gebe, so kriege ich ein falsches Ergebnis. Wer wirklich den Ehrgeiz hat im Bodybuilding voran zu kommen und einen muskulösen Körper aufzubauen, der sollte doch so viel Zeit investieren wollen, um mal 1 Stunde mit dem Taschenrechner seine Ernährung auszurechnen. Diese eine Stunde kann schließlich Monate an Zeitverlust im Anschluss einsparen.
So gut wie jeder, der im Bodybuilding vorwärts kommen will, trainiert nach dem Prinzip der progressiven Überlastung – wer stärker werden will, der muss härter/schwerer trainieren. Bei der Ernährung ist es nicht anders, wer zunehmen will, der muss mehr/häufiger essen. Es funktioniert, man muss es nur konsequent machen.
Ihr Erik "BamBam" Dreesen
Begleitbeitrag zum Artikel im Forum



