BamBam's View – Bodybuilding ist Gesundheitssport!
Kennen Sie diese Sprüche auch? „Bodybuilding macht die
Gelenke kaputt“, „Eiweißpulver sind schädlich für die
Nieren“, „Die sind doch alle gedopt und werden sowieso
nicht alt“ und so weiter und so fort. Es gibt wohl keine
andere Sportart, die von der Allgemeinheit als so ungesund
angesehen wird wie unser geliebter Eisensport.
Kein Mensch würde auf die Idee kommen, so etwas über Fußball oder
Handball zu behaupten. So auch vor kurzem in meinem Bekanntenkreis.
Ein Freund hatte sich mit seinen Kumpels nach langer Zeit mal
wieder zum Fußballspielen verabredet. Das Ende vom Lied war ein
netter Bänderriss und die ärztliche Auflage, für die nächsten
Wochen eine Schiene zu tragen. Als man sich aber abends im üblichen
Kreis traf, da wurde der Bänderriss mit ein paar kurzen Scherzen
abgetan. Wer den Schaden hat braucht für den Spott ja nicht zu
sorgen. Beim irgendwann zwangsläufigen Thema Bodybuilding fuhr man
aber natürlich wieder das übliche Spektrum an Kommentaren auf.
Äääähm, hallo? Da sitzt jemand mit einem Bänderriss und ein
Bodybuilder, der seit Jahren, teilweise jahrzehnten verletzungsfrei
trainiert muss als vermeintlicher Sportinvalide herhalten? Welt
verkehrt...
Mir stellt sich immer die Frage, woran das liegt. Wen man einmal
die Statistiker bemüht, so ist Kraftsport und als Teil davon auch
Bodybuilding bei der Unfallquote eher im unteren Bereich
angesiedelt. Um einmal ein paar Zahlen ins Spiel zu bringen, so
liegt die Unfallquote von Fußballern bei 3,93%, Basketballern bei
3,23% und an dritter Stelle die der Handballer bei 2,76%. Damit
rangieren sie zum Teil sogar deutlich vor Eishockey oder Boxen.
Letzteres bringt es gerade auf 1,75%, liegt damit aber immer noch
vor Kraftsport, der es auf lediglich 1,56% bringt. Zwar
klassifiziert diese Statistik nur die Quantität der Verletzungen
und nicht die Qualität. Bei den Sportarten ganz oben auf der Liste
sind es denn auch gerade Prellungen und Verstauchungen, also eher
die kleineren Verletzungen, die die häufigsten Unfallarten stellen.
Dennoch taucht Kraftsport auch bei einem Ranking der Sportarten mit
den gefährlichsten Verletzungen ebenfalls nur im Mittelfeld auf.
Hier sind es dann Reiten und der Skisport, die ganz oben auf der
Liste stehen.
Man könnte auch noch einen Schritt weiter gehen, denn bislang ging
es ja nur um Verletzungen und damit die negativen Aspekte der
Sportarten. Wie sieht es aber aus, wenn man die positiven Effekte
vom Kraftsport in Relation dazu setzt? Wie keine andere Sportart
ist das Training mit Gewichten dazu geeignet viele unserer
typischen Zivilisationskrankheiten, die aus einem Mangel an
Bewegung resultieren, bei gleichzeitig minimalem Zeitaufwand zu
bekämpfen. Ein Paradebeispiel sind hierbei Haltungsschäden und
Rückenbeschwerden. Ein Mensch, dessen einzige Bewegung darin
besteht von der Couch zum Bürostuhl und ins Auto zu kommen, der
wird über kurz oder lang Probleme bekommen, weil seine Muskulatur
degeneriert. Ganze Zweige der Studiobranche haben sich auf diese
Klientel konzentriert, können doch ihre Beschwerden oft schon mit
wenigen Trainingseinheiten gelindert, teilweise geheilt werden. Und
das ist nur ein Teilbereich dessen, was modernes
Bodybuilding-Training ausmacht. Eine kräftige Muskulatur verbessert
z.B. die körperliche Leistungsfähigkeit bei vielen Tätigkeiten im
Alltag, nicht zuletzt vielen älteren Menschen wird deshalb ein
gezieltes Krafttraining empfohlen, es gibt sogar mittlerweile
Studios, die sich auf Senioren spezialisiert haben. Und auch das
übliche Argument, daß Bodybuilder keine Ausdauer haben lässt sich
bei einer Sportart, wo auch regelmäßige aerobe Einheiten
Bestandteil sind, nicht mehr aufrecht erhalten. Der Bodybuilder im
Fitnessstudio heutzutage ist denn auch kein stupider Pumper mehr,
der einfach nur einen dicken Bizeps will, sondern ein Allrounder,
der dabei lediglich seinen Schwerpunkt auf eine möglichst gute
Muskelentwicklung legt.
Fragt man aber viele dieser Menschen in den Fitnesscentern, was sie
für Sport betreiben, so wird man überwiegend als Antwort bekommen,
daß sie „Fitness“ machen oder „ins Fitness
gehen“. Nur wenige würden von sich selbst behaupten, daß sie
Bodybuilder sind. Aber eigentlich ist es nichts anderes als das,
was praktisch alle betreiben. Erinnern Sie sich noch an das
Beispiel ganz am Anfang dieses Artikels? Sagen sie einmal zu den
gleichen Menschen die Bodybuilding als ungesund abstempeln, daß sie
„Fitness“ machen. Niemand würde ihnen mit den üblichen
Sprüchen kommen. Maximal kommt vielleicht die Rückfrage, daß man
aber sicher nicht solche Muskelberge wolle, wie „diese“
Bodybuilder.
Und genau da haben wir das Problem in der Wahrnehmung des Sportes
Bodybuilding. Die Allgemeinheit sieht dabei nämlich nicht den
Breitensport, sondern immer nur die Extrembeispiele aus dem
Leistungssport. Gerade letzterer ist es aber, der in keiner
körperlichen Sportart gesund ist. Fußball, Leichtathletik,
Eishockey, Handball, Tennis – schlagen sie einmal die
Tageszeitung auf, es vergeht kein Tag, wo man nicht etwas über
Verletzungen von Leistungssportlern liest.
Dabei hat das höhere Verletzungsrisiko von Leistungssportlern einen
ganz einfachen Grund. Ein Leistungssportler arbeitet mit seinem
Körper immer am Limit. Genau das ist ja sein Ziel, er will die
maximale Leistung aus sich herausholen. Genau wie ein Wagen
irgendwann ausfällt, dessen Motor ständig nur im maximalen
Drehzahlbereich gefordert wird, so wird sich auch ein
Leistungssportler irgendwann verletzen. Dies kann er nur
verhindern, sofern er entweder ein gutes Team um sich herum oder
aber ein immenses Wissen und Erfahrungen gesammelt hat, um seinem
Körper immer richtig zu be- aber nicht zu überlasten.
Ist das aber gegeben, so kann sogar ein Leistungsbodybuilder bis
ins Alter aktiv sein und das sogar auf hohem Wettkampfniveau. Ein
paar Beispiele? Albert Beckles war noch mit über 60 Jahren
Teilnehmer beim Mr. Olympia und kam sogar ins Finale. Schauen sie
sich aktuelle Bilder von Robby Robinson, Frank Zane oder Bill Grant
an. Diese sind mittlerweile über 60 Jahre alt und standen schon mit
Arnold auf der Bühne, weisen aber immer noch Körper auf, die auch
auf heutigen Meisterschaften auf hohem Niveau bestehen können. Nun
zeigen sie mir das bei einer anderen Sportart. Das gibt es nur im
Bodybuilding.
Markus Rühl wurde einmal in einem Internetforum gefragt, ob die Art
und Weise, wie viele Profibodybuilder die Übungen ausführen nicht
ungesund sei, da sie in ihren Videos oft extrem abfälschen oder mit
schlechter Technik trainieren. Seine Antwort war sinngemäß, daß er
ein Profibodybuilder sei und als solcher versucht für sich
möglichst effektiv und nutzenbringend zu traineren, schließlich sei
das sein Beruf, das erfordere aber maximale Gewichte, was wiederum
Abfälschen automatisch mit sich bringe. Als Hobbysportler solle man
aber an eine saubere und korrekte Übungsausführung halten,
schließlich verdiene man kein Geld damit.
Genau das ist der Grundsatz, den jeder Hobbysportler für sich
verinnerlichen sollte. Wenn sie nur Hobbysportler sind, so sollten
Sie nicht trainieren wie Ronnie Coleman. Wenn sie nur einen Golf
durch den Straßenverkehr lenken, dann sollten sie ja auch nicht wie
Michael Schumacher beim Grand Prix in Monaco fahren. Im günstigsten
Fall werden sie bei so einem Training ins Übertraining kommen, im
schlimmsten Fall sich irgendwann verletzen.
Was aber Bodybuilding von den anderen oben genannten Sportarten
unterscheidet: Gerade bei letzteren ist laut Statistik auch der
Breitensport sehr verletzungsträchtig, im Bodybuilding aber eben
nicht. Das lässt bei objektiver Betrachtung nur eine
Schlussfolgerung zu: Bodybuilding ist entgegen seinem Ruf nicht
ungesund, im Gegenteil. Dabei kommt natürlich auch noch eine
weitere Komponente zum tragen, die in praktisch allen anderen
Sportarten keine Rolle spielt – die Ernährung. Schauen sie
sich einen typischen Freizeitfußballer an, sie müssen lange suchen,
bis sie einen finden, der auf seine Ernährung achtet. Im Gegenteil,
bei nicht wenigen steht nach dem Spiel erst einmal der Kasten Bier
auf der Tagesordnung. Selbst ein nur mäßig ambitionierter
Bodybuilder wird aber versuchen seine Ernährung zu verbessern,
einfach weil diese im Bodybuilding 50% des Erfolgs ausmacht. Das
sind Supplements ohnehin nur ein Nahrungsergänzungsmittel für den
letzten Kick, sie können eine schlechte Ernährung nicht
ausgleichen. Ohnehin sind die oft gescholtenen Proteinpulver
erwiesenermaßen gesünder zum Decken seiner Proteinzufuhr als ein
übermäßiger Fleischkonsum.
Wenn man all dies einmal zusammenfasst, so kann es eigentlich nur
ein Fazit geben – Bodybuilding ist ein Sport der den Körper
nicht kaputt macht, sondern genau das Gegenteil bewirkt. Er hilft,
den Körper im Zeitalter der Bewegungsarmut in Schwung zu halten und
die Leistungsfähigkeit auch bis ins hohe Alter zu bewahren. Wenn
man ihn zudem nicht nur als Bewegungsausgleich betreiben will,
sondern etwas ambitionierter, dann kommt auch noch der Faktor einer
gesunden Ernährung hinzu. Gerade in der heutigen
Fastfoodgesellschaft ein wichtiger Punkt pro Bodybuilding. Er ist
damit nicht nur Sport, sondern ein kompletter, gesunder
Lebensstil.
Von der Tatsache, daß Bodybuilding auch zu einem besseren Aussehen
und einem größeren sexuellen Leistungsvermögen führt, soll hier gar
nicht erst angefangen werden, denn dafür ist diese Kolumne einfach
zu kurz.
Ihr Erik „BamBam“ Dreesen
Begleitbeitrag zum Artikel im Forum


