1992 - Mein erster Wettkampf

Auch für diesen Abschnitt fehlen mir leider ein paar brauchbare Bilder, besonders von Jürgen Lang oder Roman Knetsch. Evtl. hat ja ein Leser welche von den genannten Personen oder auch von den Wettkämpfen? Dann würde ich mich über eine Zusendung freuen...

Aber 1992 passierte noch etwas, was auf meinem Weg als Bodybuilder mindestens genauso wichtig war, wie der Besuch meiner ersten „richtigen“ Meisterschaft. Ein Freund von mir kaufte ein kleines Studio in Forchheim, einer Kleinstadt etwa 20km nördlich von Erlangen, hatte aber keine Zeit, um sich auch selbst darum zu kümmern. Deswegen fragte er mich, ob ich nicht Spaß daran hätte Nachmittags ab 16:00Uhr das Studio zu leiten. Man muss dazu sagen, daß das Gym wirklich klein war und nur etwa 100 Mitglieder hatte, von denen wiederum nur ein Drittel auch wirklich trainieren kam. Entsprechend gab es auch keinen zusätzlichen Trainer, sondern das sollte ebenfalls meine Aufgabe sein als Studioleiter sein.

Als Student lernt man zwar schnell mit wenig Geld auszukommen und ich bekam fast den Bafög-Höchstsatz, aber dennoch war es damals nicht anders als heute bei Bafög-Empfängern und das Geld langte hinten und vorne nicht. Außerdem hatte ich gerade die erste Version meiner Computersoftware fertiggestellt, so daß auch hier der größte Entwicklungsaufwand erst einmal erledigt war und in der nächsten Zeit nur noch kleinere Fehler zu beseitigen waren, wodurch auch weniger Geld reinkam. Entsprechend war ich über die Möglichkeit eines weiteren Nebenjobs hocherfreut. Was könnte es schöneres geben als mit seinem Lieblingshobby auch noch Geld zu verdienen? Begeistert sagte ich sofort zu.

In diesem Studio in Forchheim waren trotz seiner kleinen Zahl an Mitgliedern dennoch einige wirklich gute Athleten vertreten, allen voran ein früherer Mitbesitzer, Roman Knetsch, seines Zeichens Int. Deutscher Gesamtsieger 1990, der immer noch gelegentlich vorbeischaute und eine Trainingseinheit absolvierte. Romans Markenzeichen waren seine gigantischen Beine. Wenn mich damals schon die Juniorenbeine von Jürgen Kränzlein fasziniert hatten, so waren das gegen die riesen Haxen von Roman schon fast Zahnstocher. Einfach ein echter Schwergewichtler, der in der Offseason über 130kg auf die Waage brachte.
Aber neben Roman gab es auch noch einige andere Athleten dort, die bereits auf nationalen Meisterschaften erfolgreich waren oder in Zukunft viel Erfolg haben sollten. In letzter Kategorie war besonders Jürgen Lang zu erwähnen. Jürgen startete im Frühjahr 1992 auf seiner ersten Meisterschaft, dem Donau-Cup in Ulm, der damals den Saisonauftakt bildete. Seine Markenzeichen waren Bauchmuskeln wie Granitplatten, eine Brust, auf der man ein Wasserglas abstellen konnte und vor allen Dingen Arme, die damals bereits internationales Niveau hatten. Auf dem Donau-Cup gab es keinen ernsthaften Konkurrenten und so konnte er bereits seine erste Wettkampfteilnahme mit dem Gesamtsieg krönen. Anschließend holte er auf einer Meisterschaft in Nordrhein-Westfalen den Gesamtsieg und sicherte sich ebenfalls den Gesamtsiegertitel der Fränkischen Meisterschaft. Auf der folgenden Bayerischen Meisterschaft schrammte er nur ganz knapp an eine Fahrkarte zur Deutschen vorbei. Wie bereits einmal erwähnt war das Leistungniveau auf den Landesmeisterschaften damals wesentlich ausgeglichener bei deutlich höheren Teilnehmerzahlen, so daß das bereits ein Riesenerfolg war. Einige Jahre später holte Jürgen übrigens genau wie Roman den Int. Deutschen Gesamtsieger und war Mitte der 90er Jahre einer der besten deutschen Athleten in der Klasse bis 90kg.

In so einem Umfeld mit lauter Wettkämpfern um einen herum und dazu der Möglichkeit im „eigenen“ Studio trainieren zu können, wann man nur wollte, blieb mir gar nichts anderes übrig als weiter zu wachsen. Ich sperrte das Gym nachmittags um 16:00Uhr auf, konnte die anderen Athleten beim Training beobachten, mir beim Gespräch an der Theke viele Tipps holen und wenn ich abends um 22:00Uhr zugesperrt hatte kochte ich mir noch eine Tasse Kaffee, legte meine bevorzugte Trainingsmusik ein, drehte die Anlage auf volle Lautstärke und trainierte mir 2 Stunden die Seele aus dem Leib. Die Leute, die nachts am Studio vorbeigingen, müssen gedacht haben, daß da irgendein Bekloppter zugange ist. Man muss dazu sagen, daß das Studio in der Innenstadt lag und ein paar Meter weiter ein recht angesagtes Lokal war, so daß ständig Leute vorbeiflanierten. Mir war das egal, hauptsache ich wuchs. Über dem Studio wohnte noch eine alte Dame, die aber, Gott sei Dank, wohl schwerhörig war, jedenfalls kam auch von dort nie eine Beschwerde.
Gegen 0:30Uhr war ich dann fertig mit dem Training, ging noch 20-40min. aufs Solarium und machte mir anschließend einen Proteinshake mit Haferflocken, bei dem ich die uralten Bodybuilding-Zeitschriften durchblätterte, die in dem Studio auslagen. Meine bevorzugte Ausgabe war eine alte Sportrevue zum Mr. Olympia 1983 in München. Gegen 2:00Uhr morgens kam ich dann meist aus dem Studio und fuhr die 25km heim, bis ich dann gegen 3:00Uhr morgens im Bett lag, manchmal auch später. Unnötig zu erwähnen, daß ich natürlich nicht morgens um 8:00Uhr wieder in der Uni war, sondern meistens bis mittags schlief, spätstückte und gleich wieder ins Studio fuhr. Das Studium war in der Reihenfolge der wichtigen Dinge meines Leben weit hinter meine 2 Nebenjobs und besonders das Training gerückt. Eine Entwicklung, die ich einige Jahre später ziemlich bereuen sollte, aber dazu komme ich in einem späteren Kapitel.

Dafür lief es im Training glänzend. Meine Muskelumfänge wuchsen und wuchsen und ich konnte mein Gewicht bis zum Sommer 1992 auf (zumindest für mich damals) beeindruckende 118kg steigern. Man muss sich das einmal vorstellen, ich hatte mit 70kg begonnen und brachte 3,5 Jahre später fast 50kg mehr auf die Waage, trotz des Rückschlags mit der Kiefer-Operation und eigentlich auch damals noch eher bescheidenem Wissen in Ernährungsdingen. Instinktiv machte ich in der Ernährung aber sehr viel richtig. Auch wenn meine Kommilitonen im Wohnheim mich immer nur aufzogen mit den Worten: „Was gibt es denn heute wieder leckeres? Reis mit Scheiß?“, sobald sie mich mit meiner Tupperschüssel randvoll mit Reis und Dosen-Thunfisch sahen oder ich mit meinem Mixer voll Schokoprotein und Haferflocken in unserer Gartenlaube saß. So war meine Ernährung zwar sehr spartanisch aber auch für mich extrem erfolgreich mit dem vielen Protein und komplexen Kohlenhydraten, sowie moderat Fett. Zwar machte ich mir keine Gedanken um spezielle Fettsäuren, Antioxidantien und Mikronährstoffe, aber hinsichtlich der Makronährstoffe war ich prima versorgt. Zugegeben, ein wenig wie auf der Toilette sah das teilweise schon aus, was ich in mich reinstopfte, aber wenn Arnold schon gesagt hatte, daß er auch Scheiße gefressen hätte, wenn es ihm Muskeln gebracht hätte, so konnte ich damit ja nicht wirklich falsch liegen.

An Supplements hatte ich mittlerweile begonnen ein wenig zu experimentieren. Neben dem obligatorischen Proteinpulver, das damals in der Regel ein Zweikomponenten-Protein war, nahm ich vor dem Training BCAAs und nach dem Training einen Aminosäuren-Komplex zu mir. Zusätzlich gab es einmal täglich ein Hardcore-Pak, das war eine Kombination aus Vitaminen und Mineralstoffen, die ein Supplement-Hersteller in kleinen Tütchen mit fertigen Tagesrationen verkaufte. Nachdem meine Ernährung wirklich arm an frischem Obst und Gemüse war, konnte ich so ein wenig meinen Vitaminbedarf ausgleichen.
Manch einer mag sich jetzt fragen, wo in meiner Supplementierung denn Sachen wie Whey-Protein, Dextrose/Maltodextrin oder auch Creatin waren. Die Antwort darauf ist ganz einfach – das gab es damals noch nicht und wenn doch, dann kannte es kaum einer. Creatin wurde erst Mitte der 90er Jahre in Athletenkreisen bekannt, schnelle Kohlenhydrate nach dem Training sogar noch später und Whey hieß damals noch Lactalbumin und wurde gerade erst am Markt eingeführt. Von dem Riesen-Hype der einige Jahre später um die richtige Workout-Nutrition gemacht werden sollte und der heute viele Anfänger so sehr verunsichert, daß sie denken, wenn sie da was falsch machen, könnten sie den Muskelaufbau gleich komplett vergessen, war damals noch nichts zu spüren. Vielleicht ist die Tatsache, daß die Athleten auch so gute Fortschritte machten ohne alles unnötig zu verkomplizieren, für manche Leser ja ein kleines Zeichen, das man die Prioritäten eher klassisch bei Training und Ernährung setzen sollte.

Weiter im Text...
Nachdem Jürgen damals die Frühjahrssaison abgeschlossen hatte, begann ich mich zu fragen, ob ich nicht auch langsam so weit sei, es einmal auf einer Wettkampfbühne zu probieren. Die anderen im Studio munterten mich ebenfalls auf, es doch einmal zu probieren und so begann ich meine erste Wettkampfvorbereitung zu planen. Natürlich hatte ich keine Ahnung von einer richtigen Wettkampfdiät und die Infos, die ich von den anderen Athleten dazu erhielt waren auch eher dürftig, also nahm ich mir eine Kalorientabelle, suchte mir die fettärmsten Lebensmittel raus, die ich finden konnte, erhöhte die Zufuhr an BCAAs und Aminos noch einmal und forcierte nochmals stärker mein Training. Unbedarft wie ich war machte ich dabei Fehler en massé. Der vielleicht gravierendste war einer, den in meinen Augen auch heute noch viele Wettkampfanfänger machen: Ich setzte mir ein Zielgewicht, daß ich anstrebte und das ich in meinen Augen in Wettkampfform bringen konnte. Mein Anspruch an mich lag damals bei 100kg, die ich auf der Bühne wiegen wollte. Der richtige Weg wäre hingegen gewesen, soweit mit dem Gewicht runterzugehen, bis ich wirklich fertig gewesen wäre. Indem ich mich aber auf ein fixes Gewicht festlegte, bzw. zumindest ein annäherndes Ziel hatte, limitierte ich selbst meine Form. Gerade Anfänger haben immer wieder die Angst, daß sie bei der Diät zu dünn werden. Manche brechen deshalb irgendwann die Diät frustriert ab, weil sie es psychisch nicht packen an Umfang zu verlieren, weil sie Fettumfang mit Muskelumfang gleichsetzen, andere wiederum denken bereits zu früh sie sind „fertig“, gerade wenn sie niemanden haben der ihnen bei der Diät über die Schulter sieht oder wenn Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Athleten fehlen, es könnten aber noch locker 5kg runter. Diese scheuen sie aber, weil sie denken, daß sie sich Muskeln weghungern. Das Ergebnis ist, daß die meisten Wettkampfanfänger nicht hart auf der Bühne stehen.

So ging es letztendlich auch mir. Am Ende der Diät wog ich 103kg und war der Meinung ich wäre in Form, nur weil ich gut sichtbare Bauchmuskeln und Streifen auf dem Oberschenkel hatte. Anschließend entwässerte ich noch (wobei ich davon noch weniger Ahnung hatte als von der Diät) und stand letztlich mit exakt 100kg auf der Waage. Ich war stolz wie Oskar und jeder meinte, daß ich realistische Chancen auf den ersten Platz bei der Meisterschaft hätte. Hier machte ich einen weiteren gravierenden Fehler, denn ich glaubte den Leuten wirklich, was sie mir erzählten. Mein Ego wurde größer und größer, weil ich mir wirklich immer mehr einredete, daß ich DER neue Hoffnungsträger wäre, auf den alle auf der Bühne gewartet hätten. Was ich nicht kapierte war, daß 95% der Leute, die mich so lobten noch niemals vorher in ihrem Leben auf einem Wettkampf gewesen waren, also überhaupt keine Ahnung hatten, wie die Athleten dort aussehen. Für einen Otto-Normal-Bodybuilder sah ich sicherlich toll aus, aber unter Wettkampfkriterien war ich absolut durchschnittlich, wenn überhaupt. Die andere Hälfte der Leute wollten mich entweder nur motivieren oder dachten, ich würde ihnen ein realistisches Urteil übel nehmen. Keine Ahnung, auf jeden Fall bekam ich eine vollkommen verschobene Sichtweise.

Mein dritter Fehler war eine Folge aus den beiden ersten. Dadurch, daß ich mich selbst völlig überschätzte, suchte ich mir auch gleich eine viel zu schwere Meisterschaft raus. Mein erster Wettkampf sollte der Int. Franken-Cup 1992 sein, eine damals sehr renommierte Meisterschaft, die den Saisonanfang im Herbst bildete und zu der auch schon einmal Athleten aus dem Ausland anreisten. Würde diese Meisterschaft heute noch ausgetragen, so wäre das alles noch gar nicht mal so schlimm gewesen, denn nach heutigem Reglement hätte ich noch in der Juniorenklasse starten können, denn ich war im Frühjahr gerade 21 Jahre alt geworden und heute gilt damit das ganze Jahr noch als letztes Juniorenjahr. Zu jener Zeit war aber im Gegensatz dazu der 21. Geburtstag der Stichtag für den Wechsel in die Männerklasse. Das bedeutete, daß ich mit den richtig dicken Jungs auf der Bühne stand: Männer-Schwergewicht. In der Juniorenklasse wäre der Wettkampf ganz sicher anders für mich ausgegangen.

Motiviert wie ich war lud ich sogar Freunde aus meiner alten Heimat zu meinem Wettkampf ein. Am Morgen fuhren wir alle nach Fürth zur Stadthalle, wo der Wettkampf stattfinden sollte. Ich bekam meine Startnummer und schaute mir erst einmal die Frauen und Juniorenklasse auf der Bühne an, bevor ich selbst hinter die Bühne ging, um mich umzuziehen. Meine Konkurrenten im Schwergewicht waren bereits dabei sich aufzuwärmen. Ich aber setzte mich erst einmal hin und trank eine Flasche Wasser. Mein damaliger Betreuuer hatte mir nämlich ein Geheimnis verraten. Wenn man hinter der Bühne Wasser trinkt, dann geht das direkt in die Muskeln. Heute lache ich Tränen darüber und über viele andere Geheimnisse, die ich damals nachmachte, aber damals glaubte ich das wirklich alles. Anschließend meinte er, ich solle einfach ein paar Liegestütze machen, das würde zum Aufpumpen reichen. Dann rieb er mich dick mit Öl ein. Weil er sich die Hände nicht schmutzig machen wollte nahm er dafür auch noch Gummihandschuhe. Natürlich massierte er das Öl nicht richtig ein. Heute weiß ich, daß ich nicht nur selbst praktisch alles falsch machte, sondern auch noch hinter der Bühne gnadenlos hängen gelassen wurde.

Ergebnis: Insgesamt waren in meiner Klasse sieben Teilnehmer, sechs davon kamen ins Finale. Ich war der siebte und am Boden zerstört. Aber noch immer kapierte ich nicht, daß ich vor allen Dingen selbst schuld am Ergebnis war. Ich fragte meinen Betreuer und natürlich sagte er, daß ich von den Kampfrichtern verladen worden wäre. Was sollte er auch sagen, daß ich viel zu viel Öl drauf hatte und glänzte wie Schweinchen Babe? Das ich mich mit der 1,5 Liter Flasche Contrex noch glatter gemacht hatte, als ich sowieso schon war? Natürlich sagten mir auch meine Freunde, daß ich ins Finale hätte kommen müssen, sogar eine Kampfrichterin kam zu mir und meinte, sie hätte mich im Finale gehabt. Die Wahrheit war aber, daß auch jetzt noch keiner die Traute hatte mir zu sagen, was wirklich Sache war – ich war glatt, hatte zu viel Öl drauf und glänzte wie ein Schwein, mein Posing war schlecht, weil ich immer nur vor einem Spiegel geübt hatte aber nie ohne und zu guter letzte hatte ich einfach noch 10kg Muskelmasse zu wenig und 5kg Fett zu viel.

Deprimiert wie ich war beschloss ich, daß ich nie wieder an einem Wettkampf teilnehmen würde. Meine Freunde gingen an dem Abend was essen, mir aber war der Appetit vergangen und ich verkroch mich in meiner Studentenbude. Wie konnte man mich nur so ungerecht behandeln?

Nach 3 Tagen kam aber ein guter Freund zu mit und meinte: „Reiß Dich gefälligst zusammen. Was ist schon passiert? Du hast bei Deinem ersten Wettkampf eine Packung bekommen. Such dafür nicht die Schuld bei anderen, sondern lieber bei Dir selbst. Und wenn Du jetzt deswegen aufgibst, wo Du so lange Diät gehalten hast und sowieso gar nicht so schlecht in Form bist, dann gehört Dir links und rechts eine gescheuert.“ Ich dachte lange über seine Worte nach und irgendwie hatte er recht. Was hatte ich zu verlieren? Noch peinlicher als ein letzter Platz konnte es nicht werden. Außerdem hatte ich endlich die Augen aufgemacht, begonnen mich realistischer einzuschätzen und schlussendlich gemerkt, daß ich von meinem Betreuer hinter der Bühne schlicht verladen worden war.

Also fasste ich den Entschluss es am Wochenende drauf noch einmal zu probieren. An diesem fanden zwei kleinere Meisterschaften statt, der Oberpfalz-Cup und der Bayerwald-Cup. Erneut bereitete ich mich vor, entwässerte so wie ich es schon beim letzten mal gemacht hatte, aber veränderte diesmal das Timing der letzten 2 Tage so, wie ich es mir selbst überlegt hatte ohne auf andere Leute zu vertrauen. Das war zwar nach wie vor alles andere als ideal (man lädt eben gerade nicht, wenn man 1kg Haferflocken trocken runterwürgt ohne was dazu zu trinken, auch wenn man es mir einredete), aber dennoch nicht ganz so katastrophal wie beim Franken-Cup.

Und es klappte tatsächlich besser. Beim Oberpfalz-Cup, einer kleinen Meisterschaft, die damals das erste (und einzige Jahr) stattfand, waren wir zwar nur drei Teilnehmer im Schwergewicht, aber ich wurde diesmal zweiter. Beim Bayerwald-Cup am Tag darauf, waren sogar 9 Teilnehmer am Start, darunter auch die Teilnehmer vom Franken-Cup ab Platz 4. Am Ende stand ich auch hier als zweiter auf der Bühne, hatte 7 Teilnehmer hinter mir gelassen und sogar den vierten vom Franken-Cup, der mich eine Woche vorher noch locker geschlagen hatte und 2 Jahre vorher sogar Vize-Deutscher Juniorenmeister gewesen war.

Kaum einer kann sich vorstellen, wie stolz ich war. Klar, ich hatte nirgendwo gewonnen, aber dennoch mir selbst bewiesen, daß ich doch was auf dem Kasten hatte. Und, was vielleicht noch wichtiger war, ich hatte festgestellt, daß ich eben nicht der Super-Athlet war, für den ich mich vorher selbst hielt, sondern im Gegenteil noch ganz am Anfang stand und noch sehr, sehr viel zu lernen hatte.
Eine ganz besonders wichtige Lektion war aber, daß man niemals aufgeben darf. Es kann immer bessere geben und die Kampfrichter können vielleicht mal um einen Platz irren, aber sicher nicht um 6 Plätze. Bevor man also die Schuld bei anderen sucht sollte man lieber die Klappe halten, den Mund abputzen und so lange an sich arbeiten, bis man wiederkommt und als Sieger vom Platz geht.

Ich habe in all den Jahren, die ich jetzt im Bodybuilding aktiv bin, als Athlet und als Trainer, so viele Athleten gesehen, die von Anfang an Erfolg hatten. Wer aber immer gewinnt, der ist nicht gewohnt auch mal zu verlieren und viele dieser ach so erfolgreichen Athleten strichen nach ihrer ersten Niederlage die Segel. Die wahren Champs aber nahmen das als Aufforderung noch besser werden zu müssen. Verlieren ist keine Schande, aufgeben hingegen sehr wohl.

Für mich war diese erste Saison damals ein Auftrieb, den man sich kaum vorstellen kann. Die folgenden Monate und Jahre nutzte ich, um weiter an mir zu arbeiten. Dabei machte ich auch den ersten Abstecher zum Powerlifting, wo ich meinen ersten Titel holen konnte. Aber das ist eine andere Geschichte.


(wird fortgesetzt)

Zurück Anfang
Online-Shop
Forum