1987-1989 - Der Dicke ist Geschichte

Nach der Enttäuschung, daß ich mich nicht im Studio anmelden konnte, hatte ich den Traum vom Muskelmann erst einmal wieder ad acta gelegt und mich meinem zweiten Hobby, den Computern gewidmet. Im Gegensatz zu den meisten meiner Freunde, die einfach nur mit den Kisten spielten, hatte mich schon immer eher die Technik und vor allen Dingen die Programmierung an sich interessiert. Ich versuchte also, die Spiele, die ich damals besonders gut fand, in einer eigenen Version nachzuprogrammieren, was auch gar nicht mal schlecht funktionierte.

Damals war es üblich, daß in Computerzeitschriften seitenweise Listings (=Ausdrucke von selbstgeschriebenen Computerprogrammen) veröffentlicht wurde. Davon animiert schickte auch ich ein kleines Anwendungsprogramm an die Zeitschrift „68000’er“ ein, welches auch tatsächlich veröffentlicht wurde. Hierdruch wurde ein Bekannter meines Vaters auf mich aufmerksam, der als Geschäftsführer ein größeres Unternehmen leitete. Dort suchte man gerade nach einem Programmierer, der Ihnen bei der Umsetzung eines Vorhabens helfen konnte und so trat man an mich heran.

Man muss sich das vorstellen, ich, damals 16 Jahre alt, bekam das Angebot von einer großen Firma, für sie eine professionelle Software zu schreiben die deutschlandweit vertrieben wurde und für das Themengebiet lange Zeit das innovativste Produkt und Marktführer sein sollte. Ich war jedenfalls stolz wie Oskar. Fortan saß ich neben der Schule Stunden um Stunden in meinem Kämmerlein und strickte an dem Programm (dessen endgültige Fertigstellung übrigens Jahre in Anspruch nahm, erst 2001 hörte ich mit der Tätigkeit für diese Firma nach mehreren Programmversionen endgültig auf).

Weshalb ich das alles erzähle? Dieser Nebenjob verschaffte mir ein recht komfortables Einkommen für einen 16-jährigen Schüler und am Geld war das Thema Studio ja letztlich gescheitert. In dieser Zeit war es auch, daß ich mein Übergewicht einfach nicht mehr sehen konnte und ich machte die erste Diät in meinem Leben. Ohne große Kenntnisse von der Materie nahm ich innerhalb von 8 Wochen 20kg ab, indem ich mich einfach auf 600-800 Kcal täglich setzte. Aus heutiger Sicht war das natürlich irrsinnig und ich hungerte mir eigentlich meine Muskeln runter und machte damit meinen Stoffwechsel kaputt, aber das wusste ich damals ja noch nicht. Zu schaffen war das ohnehin nur, in dem ich zusätzlich am Tag ordentlich quarzte (ja, ich gehörte lange Zeit zur rauchenden Gesellschaft). Das Frühstück bestand aus einem Toast mit Bananenscheiben, mittags gab es eine Fünf-Minuten-Terrine, Nachmittags einen Apfel und abends eine weitere Scheibe Brot mit magerem Aufschnitt. Zusätzlich begann ich 3x/Woche zwischen 5000m und 10000m zu Joggen. Mit anderen Worten, ich hungerte mich runter, von ursprünglich 92kg auf 72kg, wobei ich damals noch etwas kleiner war als heute, so etwa 182cm.

Natürlich war das Gewicht aber praktisch nicht zu halten, denn ich konnte ja nicht ständig so wenig essen. Außerdem hatte ich zwischendurch gewaltige Kreislaufprobleme (also, nicht nachmachen, ich war jung und saudumm). Deswegen startete ich permanent neue Diäten, sobald mein Gewicht wieder einen gewissen Punkt überschritten hatte. Die magische Grenze waren dabei 80kg. Im Laufe dieser Folgediäten ging ich runter bis auf 68kg. Im Nachhinein gesehen sah ich fürchterlich aus und an der Grenze zur Magersucht, aber ich war stolz wie Oskar.

So ging das knappe 2 Jahre. Gewicht rauf, Diät, Gewicht runter. Dazu Joggen, rauchen und auf den heiligen Geist warten.
Etwa um den Jahreswechsel 88/89 erinnerte ich mich wieder an die Sache mit dem Gewichtstraining. Mein Freund wurde immer breiter und dürfte damals bereits einen 41-42er Oberarm gehabt haben, was für mich mit geschätzten 32cm bei mittlerweile 187cm doch geradezu gewaltig aussah. Ich fing erneut Feuer und nahm mir vor, mich im Anschluss an meinen 18. Geburtstag im Studio anzumelden, um damit endlich meine Gewichtsschwankungen in den Griff zu kriegen. Ich wollte nicht mehr hungern, sondern langsam zunehmen, aber eben an Muskelmasse. Das Geld hatte ich mittlerweile locker über und so wollte ich den Schritt wagen, auch wenn mich in meinem Umfeld alle für einen Spinner und Träumer hielten und sich eher über mich lustig machten.

Die letzten 2 Monate bis dahin überbrückte ich noch daheim mit einem Kurzhantelsatz mit stolzen 11kg und einem kleinen, schmalen Tisch, der mir als Flachbank diente. Mit diesem mageren Equipment trainierte ich anhand zweier einfacher Bücher, die mir einige Übungen zeigten. Ganzkörpertraining war das Stichwort und da ich keine Ahnung hatte trainierte ich in jeder Einheit das ganze Buch komplett durch, jeweils mit 2 Sätzen und so vielen Wiederholungen, wie ich mit dem Gewicht schaffte. Das ging so 3-4x pro Woche, aber ich merkte bereits damit, daß das Gewebe, was vorher eher weich und schlaff war, wieder deutlich fester wurde.

Ende März ’89 war es dann soweit, ich absolvierte meine erste Einheit im Gym. Das Bild zeigt mich kurz darauf mit 3 Monaten Training auf dem Buckel. Und, nein, ich bin der rechte, hehe.

An die Ausgangsgewichte kann ich mich heute noch erinnern. Kniebeuge 50kg und im Bankdrücken 45kg, für eine Wiederholung wohlgemerkt. Man sollte nicht glauben, daß daraus irgendwann 280kg und 270kg werden sollten, was?

Aber das kam erst viel später...


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