1986 - Verdammt lang her...
Kennt einer den Song von Bap? Irgendwie geht es mir im Moment
genauso, wenn ich daran denke,
wie ich mit dem schönen Sport Bodybuilding
angefangen habe. Begonnen hat alles, als ich ungefähr 15 war, so
gegen 1986. Es war die Zeit der aufkommenden Heimcomputer und, wie
sollte auch anders sein, auch ich hatte einen. Einen Atari um genau
zu sein, den ich mir in den Schulferien hart erarbeitet hatte und
für den ich zusätzlich meinen C-64 für einen guten Preis verkauft
hatte.
So saß ich täglich vor der Kiste. Eine Tüte Gummibärchen oder ein
Stück Kuchen links von der Tastatur, die Limo-Flasche auf der
rechten Seite. Es dürfte nicht schwer fallen sich vorzustellen, wie
ich aussah. Mit einem Wort: DICK.
Ja, ich gebe es zu, ich war ein dickes Kind und würde das sogar mit
einem Bild belegen, wenn ich denn noch eins hätte. Sport war mir zu
anstrengend und hielt mich nur von meinem Computerhobby fern.
Frühere Versuche im Handball- oder Fußballverein waren von mir kurz
danach wieder abgebrochen worden. Mir gab das irgendwie nichts.
Wenn ich mich denn schon einmal anstrengte, dann wollte ich beim
Erfolg nicht auch noch von anderen abhängig sein, die nur halbe
Kraft gingen.
Tja, wenn da nicht ein Freund von mir gewesen wäre.
Torsten, so war sein Name, hatte ich damals über
den Computer kennengelernt und wir hatten einen Computerclub
gegründet. Irgendwann erzählte er mir, daß er vor einigen Wochen
mit Bodybuilding angefangen hatte und sein Oberarm lies das auch
unübersehbar erkennen. Für mich als puren Laien sah das Ding
jedenfalls verdammt dick aus.
Kurz darauf schaute ich zum ersten Mal in meinem Leben in ein
Bodybuilding-Magazin, die Sportrevue, für die ich heute selbst
schreibe. Da drin sah ich zum ersten Mal einen richtigen
Wettkämpfer. Besonders fasziniert war ich von Berry de Mey, einem
Holländer, der für mich seitdem das Idealbild des perfekten Körper
darstellte. Betrachtete ich mich hingegen selbst, so stellte ich
nur fest, daß ich dem nun wirklich überhaupt nicht entsprach.
Den Vorschlag, zusammen mit Torsten einmal sein Studio zu besuchen
und ein Probetraining zu absolvieren, nahm ich dann auch nur zu
gerne an. Das Ergebnis war, daß ich 3 Tage lang nicht mehr laufen
konnte und noch bestimmt eine Woche länger Muskeln an Stellen in
meinem Körper spürte, wo ich früher nicht einmal im Ansatz daran
gedacht hätte, daß ich dort überhaupt welche besitze. Als
kompletter Sportlaie sollte man halt nicht gleich in der ersten
Einheit mit Intensivwiederholungen bis zum totalen Muskelversagen
arbeiten, hehe.
Dennoch, irgendwie war das ein geiles Gefühl
und das Feuer für den Sport Bodybuilding war geweckt. Leider gab es
nur ein Problem – meine Eltern. Typen, die möglichst breit
werden wollten und mit Gewichten trainierten, das war damals noch
gänzlich unakzeptiert, nicht zuletzt, weil ich in der Provinz
aufwuchs. Mit heute war das in keinem Fall zu vergleichen, wo es
Fitness-Studios an jeder Ecke gibt und das einfach nur
„schick“ ist, dort Mitglied zu sein. Für meinen Dad
wäre es eher zu akzeptieren gewesen, wenn ich angefangen hätte zu
boxen und eins auf die Nase bekommen hätte, als in einem Studio zu
trainieren. Das Problem war nur, es gab keinen Boxverein in meiner
Heimatstadt, sonst hätte ich das sogar probiert, weil die bestimmt
einen Kraftraum gehabt hätten.
Versuche im Studio einen besonderen Rabatt zu bekommen, wurden
leider abgelehnt. Bei 40DM Taschengeld waren 35DM Mitgliedsbeitrag
aber einfach nicht drin und mein gesamtes Erspartes war für den
Computer draufgegangen. Entsprechend musste ich den Traum vom
muskulösen Körper erst einmal wieder begraben.
Aber nur vorübergehend, denn 2 Jahre später konnte ich trotzdem
loslegen...


