2. Cortisol – Muskelfeind Nr.1

Besonders heikel für den Körper ist die Situation direkt im Anschluss an das Training. Während des Trainings arbeitete der Stoffwechsel auf Hochtouren und hat entsprechend viel Energie verbrannt, wodurch die Glykogendepots in der Muskulatur und der Leber stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Der Grad der Leerung hängt hierbei von zwei Faktoren ab, der Trainingsintensität und der Trainingsdauer. Ein längeres, hartes Training verbrennt mehr Energie als ein kürzeres, lockeres.

Zusätzlich wurden bei einem intensivem Training dem Muskel viele kleine Verletzungen zugefügt, die sogenannten Mikrotraumen, durch deren anschließende Reparatur der Muskel an diesen Stellen stärker wird und damit wächst, ähnlich, wie es z.B. auch bei Knochenbrüchen der Fall ist, wo die Stelle des Bruchs stärker wieder zusammenwächst.
Der Körper befindet sich also im Anschluss an das Training in einem starken Mangelzustand. Diesen fasst der Körper als Bedrohung auf und versucht mit allen Mitteln, sein Energiedefizit auszugleichen. Hierfür benötigt er aber eine Energiequelle. Da seine Glykogenspeicher nicht mehr verfügbar sind, kommen nur zwei andere Möglichkeiten zur Energiegewinnung in Frage. Entweder, er muss dafür seine Energiedepots in Form von Körperfett nutzen oder aber durch den Abbau von körpereigenen Proteinen seinen Bedarf decken. „Moment, körpereigene Proteine, da war doch was“, werden einige von Ihnen jetzt einwerfen. Richtig, der Abbau körpereigener Proteine bedeutet nichts anderes als den Abbau von Muskelgewebe. Vereinfacht ausgedrückt, der Körper kannibalisiert sich selbst im Anschluss an das Training, um sein Energiedefizit auszugleichen.

Nun ist es nicht so, daß er entweder nur Muskeln verbrennt oder Fett. Vielmehr geschieht beides gleichzeitig. Das Problem ist nur, daß die Energiegewinnung aus den Fettdepots wesentlich langsamer vonstatten geht als die aus dem Muskelgewebe. Entsprechend baut er überproportional Muskelgewebe ab und befindet sich damit in einer katabolen Stoffwechsellage. Dieser Abbau von Muskelprotein wird auch Gluconeogenese genannt. Verantwortlich dafür ist das Hormon Cortisol, ein Stresshormon, welches in der Nebennierenrinde gebildet wird und in der Lage ist, durch den Abbau von Körperfett und Muskelgewebe Energie zu produzieren.

Der natürliche Gegenspieler des Cortisols ist hingegen das Insulin. Insulin bewirkt, daß der Körper wieder Glykogen in Form von Blutzucker in die Zellen schleust und er somit nicht mehr auf die Eigenproduktion durch den Abbau von Protein und Fett angewiesen ist. Angeregt wird die Produktion von Insulin durch die Zufuhr von Kohlenhydraten. Diese lassen bei der Verdauung den Blutzuckerspiegel steigen, was wiederum die Synthese von Insulin anregt. Je schneller der Blutzuckerspiegel steigt, desto schneller steigt auch der Insulinspiegel.
Zudem ist nach dem Training der zuvor sehr hohe Verbrauch durch die intensive Muskelarbeit wieder auf sein Normalniveau zurückgekehrt, wodurch die Insulinausschüttung auch nicht mehr durch einen hohen Glucagonspiegel verhindert wird.


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