4. Die letzten Tage entscheiden – Entladen/Aufladen

Auch wenn Sie eine perfekte Diät durchgezogen haben, in der Sie Ihre Muskelmasse weitgehend erhalten konnten und Ihren Körperfettanteil in fast schon medizinisch bedenklichem Ausmaß gedrückt haben, die wichtigsten Tage einer Vorbereitung kommen erst noch. Sie können noch so wenig Körperfett haben, wenn Sie am Ende nicht das letzte Wasser unter der Haut wegbekommen und die Muskulatur prall aufladen, dann war die ganze Mühe vergebens und Sie werden sich auf einer Bühne unter Wert verkaufen. Beide Vorgänge sollen hier getrennt betrachtet werden, wenngleich sie ineinander übergehen und auf einander abgestimmt werden müssen.
Auf der anderen Seite sollte aber auch klar gesagt werden, daß dieser letzte Feinschliff nicht eine fehlerhafte Diät oder einen noch zu hohen Körperfettanteil kompensiert. Wurden die Hausaufgaben vorher nicht gemacht, dann hilft auch das beste Tricksen nichts. Die Diät sollte also spätestens zu diesem Zeitpunkt beendet sein und das Körperfett abgebaut.

Um die Muskeln am Wettkampftag möglichst voll und voluminös erscheinen zu lassen, werden die Kohlenhydratespeicher der Muskulatur in den letzten Tagen vor einem Wettkampf zuerst so weit wie möglich entladen, um anschließend erneut aufgefüllt zu werden. Durch diese Vorgehensweise kommt es zu einer Superkompensation, wodurch die Speicher noch voller als vorher sind, was einen maximalen Muskelquerschnitt ermöglicht.
Das Entladen geschieht, indem der Kohlenhydratanteil der Ernährung stark reduziert (ein guter Richtwert sind 50%), dafür aber die Proteinzufuhr um die gleiche Menge gesteigert wird. Als letzte Proteinquellen kommen hierfür Fisch, mageres Fleisch und Eiklar in Frage. Durch die nur noch eingeschränkt zugeführten Kohlenhydrate wird der Körper dazu angehalten, seine eigenen Reserven zu erschöpfen, die in der Muskulatur als Glykogen gespeichert sind. Als Dauer für die Entladetage sollte ein großer und schwerer Athlet bis zu vier Tage einplanen, leichteren Athleten genügen in der Regel drei, Frauen oft lediglich zwei Tage.
Gleichzeitig wird das Training umgestellt. Galt es in der Diät zur Erhaltung der Muskelmasse weiterhin schwer und mit moderaten Wiederholungszahlen zu trainieren, so sollte an den Entladetagen das Trainingsgewicht reduziert und die Wiederholungszahl erhöht werden. Das Ziel ist nun nicht mehr der maximale Muskelerhalt, sondern eine möglichst effektive Entleerung der Glykogenspeicher, die durch höhere Wiederholungszahlen begünstigt wird. Einzig die Beine werden an diesen Tagen nicht mehr belastet, da sie am längsten zu Regeneration bis zum Wettkampf benötigen und sonst nur geringere Teilungen aufweisen. Mit dem letzten Entladetag endet auch das Training.

Anschließend folgt das Aufladen, wobei je nach Anzahl der Entladetage hierfür 3 bzw. 2 Ladetage eingeplant werden sollten. Die entleerte Muskulatur lechzt geradezu nach Kohlenhydraten. Dieser wird durch konstanten Konsum einer komplexen Kohlenhydratquelle, vorzugsweise Reis gedeckt. Aufgrund der stark insulgenen Wirkung von Reis empfiehlt es sich, diese Zufuhr nicht in Mahlzeiten aufgeteilt, sondern gleichmäßig zu gestalten, um den Blutzuckerspiegel konstant zu halten. Zusätzlich kann der Reis mit weiteren Nahrungsmitteln mit einem niedrigen glykämischen Index ergänzt werden. Dieses können z.B. Ananasstücke, die den Berg an Reis erträglicher machen. Die Proteinzufuhr wird an diesen Tagen auf ca. 1g/kg Körpergewicht gedrosselt, die Kohlenhydratzufuhr drastisch erhöht. Eine guter Richtwert ist die Gesamtkalorienzahl der letzten Diättage zzgl. 50%. Lag dort die Zufuhr bei 2000Kcal, so sollten also 3000Kcal oder 750g Kohlenhydrate zugeführt werden. Dieser Wert kann aber nur ein grober Richtwert sein und stellt eher die untere Grenze dar. Wichtig ist außerdem, daß an den Ladetagen nicht mehr trainiert wird, um die zugeführte Energie nicht gleich wieder zu verbrauchen.


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