6. Kohlenhydatzufuhr für den Bodybuilder

Aus den Erläuterungen in den letzten beiden Abschnitten ergeben sich ein paar sehr einfache Regeln, die die Kohlenhydratzufuhr für Bodybuilder (aber auch jedes anderen Athleten) betreffen.

Generell sollte man als Sportler seine Kohlenhydratzufuhr vor allen Dingen auf Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index beschränken. Dadurch gewährleistet man eine konstante Energiezufuhr und vermeidet somit Schwankungen im Blutzuckerspiegel und damit in der Tagesform. Sollte man doch einmal Nahrungsmittel mit einem hohen GI zu sich nehmen, so ist bei diesen immer die gleichzeitige Zufuhr von Fett zu vermeiden, um bei einem Überangebot wenigstens einen Teil der Kohlenhydrate bei der Umwandlung zu Fett zu verbrennen.
In einer Diät sollte zudem die Reduzierung der Kalorien vornehmlich aus einer Verminderung der Kohlenhydrate bestehen. Ein hoher Insulinausstoß ist der Feind einer jeden Diät, schaltet er doch den Körper auf Aufbau und nicht auf Fettabbau.

Von dieser Regel gibt es nur eine Ausnahme, die Kohlenhydratzufuhr direkt nach dem Training. Gerade nach einer harten Trainingseinheit sind die Kohlenhydratdepots in der Muskulatur stark erschöpft und der Körper befindet sich in einem katabolen Zustand. In dieser Situation benötigt der Körper vor allen Dingen rasch verfügbare Kohlenhydrate um die Depots wieder aufzufüllen und die katabolen Vorgänge im Körper zu stoppen. Die Erfahrung zeigt, dass eine Zufuhr von ca. 0,7-1g/kg Körpergewicht gute Erfolge bringt. Diese Zufuhr sollte vornehmlich aus Kohlenhydraten mit hohem GI bestehen, da diese (wie beschrieben) besonders schnell den Weg zu den Zellen finden.

Hier sieht man auch, wieso ein reiner Proteinshake direkt im Anschluß ans Training nicht den gewünschten Effekt bringt, führt man doch nicht die Nährstoffe zu, die der Körper am dringendsten benötigt. Mit der Zufuhr einer größeren (langsamen) Proteinquelle sollte man etwa 45-60 min. warten. Sinnvoller ist es, die Kohlenhydrate mit einer schnell verfügbaren Proteinquelle zu kombinieren. Hier bieten sich 10g Aminos und 30g Whey-Protein an. Gut ist ggf. zusätzlich auch noch die Zufuhr von Creatin, da man sich auf diese Weise den Insulineffekt zunutze macht und mehr Creatin in die Zellen befördert, als dieses bei einer Zufuhr ohne Kohlenhydraten mit einem hohen GI der Fall wäre.

Vermeiden sollte man außerdem stark kohlenhydrathaltige Mahlzeiten direkt vor dem Training, sowie am Abend. Vor dem der Training deshalb, weil nur Kohlenhydrate mit einem hohen GI schnell aufgenommen werden können, um im Training noch zur Verfügung zu stehen, diese aber den Nachteil haben, dass sie zu einem stark steigenden Blutzuckerspiegel führen, welches wiederum eine starke Insulinausschüttung bewirkt, was wiederum den Blutzuckerspiegel so weit senkt, dass man müde wird. Wollen Sie für ausreichend Energie im Training sorgen, dann essen Sie 2 Stunden vorher eine ausgewogene Mahlzeit, die als Kohlenhydratquelle Nahrungsmittel mit einem niedrigen GI enthält.

Am Abend sollten Sie viele Kohlenhydrate aus dem Grund vermeiden, dass einfach nicht mehr der Bedarf danach besteht. Betrachtet man die Kurve des Kohlenhydratstoffwechsels, so steigt diese am Morgen an, hat über die Mittagszeit und am frühen Nachmittag ihre höchsten Werte und fällte danach wieder ab. Zum Abend ist der Kohlenhydratbedarf nur noch gering. Das liegt nicht zuletzt daran, dass man am Abend zur Ruhe kommt und sich körperlich kaum noch betätigt. Verzehren Sie deshalb abends eher proteinhaltige Kost und weniger Kohlenhydrate.

Nun wird auch klar, wieso die alte Regel, dass man abends ab 18.00 Uhr nichts mehr essen sollte, so nur teilweise richtig ist. Gerade der Normalbürger, der diese Regel befolgt, achtet doch nicht auf die Auswahl seiner Nahrungsmittel. Entsprechend führt er in der Regel die falschen Kohlenhydrate zu, oft in Verbindung mit Fett. So nimmt er gerade durch die abendlichen Mahlzeiten zu. Ändern Sie als Sportler diese Regel hingehend dahin ab, dass Sie abends die Kohlenhydratzufuhr einschränken und die verbliebenen Kohlenhydrate einen niedrigen GI haben, so werden Sie keine Probleme mit einer Fettspeicherung haben.


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