5. Low-Fat gegen Ketogen

Interessant sind bei der positiven Energiebilanz nun beide Extremfälle, also einmal eine Ernährung, die fast nur aus Kohlenhydraten besteht, die LowFat-Ernährung, sowie der gegensätzliche Fall, in dem praktisch keine Kohlenhydrate konsumiert werden, die ketogene Ernährung.

Bei der strengen LowFat-Ernährung wird die Fettzufuhr möglichst niedrig gestaltet. So steigt zwar der Blutzucker- und in der Folge auch der Insulinspiegel an, aber da die Kohlenhydrate in erster Linie zur direkten Energiegewinnung genutzt werden und der Fettanteil recht gering ist, können auch nur wenige Fettkalorien in die Fettdepots gelangen, zumal ja vorher noch die Fette entfallen, die anderweitig vom Körper genutzt werden (s.o.). Das bedeutet aber nicht, dass hier unbegrenzt Kohlenhydrate konsumiert werden können, denn auch die Gesamtenergiebilanz ist zu beachten. So werden natürlich bei einem Energieüberschuss nicht alle Kohlenhydrate der direkten Energiegewinnung zugeführt. Zwar wandert immer noch ein großer Teil in die Glykogendepots des Körpers. Aber auch hier bleibt bei einer zu großen Zufuhr ein Rest. Dieser wird in die Fettdepots eingelagert. Dieses ist aber nicht 1:1 möglich, da die Kohlenhydrate erst vom Körper in Fett umgewandelt werden müssen. Für diesen Vorgang wird aber wiederum Energie benötigt, so dass ein Teil der Kohlenhydrate dabei noch verbrannt wird. Dieser Vorgang wird auch "de-novo-Lipogenese" genannt.
In den letzten Jahren wurde - entgegen der traditionellen Hypothese einer Kohlenhydratmast - jedoch versucht empirisch zu belegen, daß die de-novo-Lipogenese aus Kohlenhydraten unter üblichen Verzehrsbedingungen beim Menschen kein wesentlicher Stoffwechselweg ist. Kohlenhydrate werden danach beim Menschen (im Unterschied zu anderen Spezies, z.B. Schweinen) erst bei mehrtägiger Aufnahme von mehr als 500 g Kohlenhydraten pro Tag zu Fett konvertiert. Letztlich ist die Wissenschaft hier aber gespalten.

Anders der Vorgang bei einer ketogenen Ernährung. Wenn bei der LowFat-Ernährung versucht wird, die Einlagerung von Körperfett dadurch zu verhindern, dass kein Fett zugeführt wird, so verfolgt man in einer ketogenen Ernährung die Strategie, dass dies dadurch verhindert wird, dass kein Insulin ausgeschüttet wird. Natürlich werden auch bei einer ketogenen Ernährung Kohlenhydrate konsumiert, aber diese Menge ist so gering, dass sie auf die Insulinproduktion kein nennenswerte Bedeutung mehr hat. So empfiehlt Atkins, einer der Begründer dieser Ernährungsform, in manchen Phasen nur 20g Kohlenhydrate am Tag zu sich zu nehmen.

Insgesamt gesehen ist aber trotzdem natürlich auch bei dieser Ernährungsform Insulin im Körper vorhanden, allerdings fehlen die durch Kohlenhydrate hervorgerufenen Schwankungen in der Insulinausschüttung und es ist ein gleichmäßig niedriger Spiegel vorhanden. Außerdem begünstigt dieser die Wachstumshormonausschüttung und damit wiederum die Fettverbrennung und den Muskelaufbau.
Die Energiegewinnung erfolgt bei der ketogenen Ernährung nicht durch die Verbrennung Kohlenhydraten, sondern die Energie wird aus sogenannten Ketonkörpern gewonnen, die ein Spaltprodukt aus Fettsäuren darstellen.

In der Regel wird ein Athlet aber weder das eine noch das andere Extrem dieser beiden Ernährungsformen praktizieren, bzw. wenn, dann nur für eine kurze Zeit, beispielsweise in einer Diät. Gerade die ketogenen Ernährungsstrategien sind als dauerhafte Ernährungsform sehr umstritten, nicht nur bei Bodybuildern. Letztlich sind sie hier auch langfristig den Beweis schuldig geblieben, dass sie effektiver, geschweige denn gesünder sind. Im Gegenteil, wenn es um das Thema Muskelaufbau geht, so ist durch das fehlende Insulin diese Ernährung sogar sicher ineffektiver, als eine solche mit Kohlenhydraten.


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