7. Zufuhr für den Sportler
Leider laufen die regenerativen Prozesse des antioxidativen
Netzwerks nicht perfekt und es ist ein ständiger, unerwünschter
Verlust an wirksamen Molekülen zu verzeichnen, denn auch alle
unsere anderen biochemischen Stoffwechselprozesse finden
keinesfalls gleichmäßig und ständig statt. Die Rate des Verlustes
an Antioxidantien hängt zum großen Teil von ihrer Produktionsmenge
ab. Diese vollzieht sich nur in Schüben, besonders nach einer
Mahlzeit oder intensiver körperlicher Aktivität, z.B. durch Sport,
wenn die Stoffwechselprozesse ihre Höhepunkte erreichen. In jedem
Fall müssen die Verluste an Antioxidantien sowohl durch die
Eigenproduktion unseres Körpers als auch durch Zufuhr von außen
wieder aufgefüllt und ergänzt werden.
Besondere Aufmerksamkeit sollte hierbei den Vitamin-Antioxidantien
zuteil werden, da ihre Zufuhr nicht nur eine Möglichkeit, sondern
geradezu eine Notwendigkeit ist, denn per Definition ist der Körper
nicht in der Lage Vitamine selbst zu synthetisieren.
| Antioxidans | Löslichkeit | Normalzufuhr | Empfehlung für Sportler |
| Vitamin C | wasserlöslich | 60-100mg | 250-2000mg |
| Vitamin E | fettlöslich | 10-15mg | 100-600mg |
| Alpha-Liponsäure | wasserlöslich | 300-600mg | 500-2000mg |
| Co-Enzym Q10 | fettlöslich | 30-120mg | 120-240mg |
| Glutathion | wasserlöslich | Keine direkte Zufuhr, sondern über Cystein-Zufuhr | |
Neben den Vitaminen sollte aufgrund ihrer vielseitig
regenerativen Wirkung besonders eine Zufuhr von Alpha-Liponsäure
erwogen werden. Durch ihre multiplen regenerativen Fähigkeiten ist
sie außerdem besonders den Athleten zu empfehlen, die der
zusätzlichen Einnahme von Nahrungsergänzungspräparaten eher
skeptisch gegenüberstehen und mit möglich wenigen Mitteln einen
maximalen Erfolg erzielen möchten.
Zwar ist es aufgrund der gegenwärtigen Wissenslage
(essentiell/nicht-essentiell) nicht möglich, wirklich einen genauen
Bedarf an Alpha-Liponsäure zu definieren. In der Praxis haben sich
allerdings Dosierungen von täglich 500-2000mg, je nach
Leistungsstufe und Trainingsintensität, für den Sportler als
förderlich für eine Leistungssteigerung erwiesen. Da zudem auch bei
sehr hoher Dosierung keine Nebenwirkungen bekannt sind, spricht
aber auch nichts dagegen, die Nahrungsergänzung mit
Alpha-Liponsäure noch stärker zu forcieren, gerade auch im Hinblick
auf seine Wirkung bei der Sensibilisierung der Insulinrezeptoren.
Hierbei solle aber beachtet werden, daß Alpha-Liponsäure
wasserlöslich ist und entsprechend nicht gespeichert werden kann.
Deshalb sollte die Gabe in mehreren Einzeldosen über den Tag
verteilt erfolgen.
Im Gegensatz zur bewiesenen Wirksamkeit einer zusätzlichen Einnahme
von Alpha-Liponsäure, muss die einer zusätzlichen Nahrungsergänzung
mit Q10 für den Durchschnittsmenschen zwar mit einem Fragezeichen
versehen werden, da eine allgemeine Steigerung der
Leistungsfähigkeit und der Gesundheit, sowie eine Stärkung der
Abwehrkräfte, wie sie in der Werbung allgemein verkauft wird,
bislang nicht wissenschaftlich bestätigt werden konnte. Dennoch ist
eine Einschränkung der körpereigenen Produktion bei mangelhafter
Versorgung mit anderen Nährstoffe und Vitaminen oder in Zeiten
erhöhten Bedarfs möglich, so daß eine gesonderte Zufuhr ratsam ist,
nicht zuletzt unter dem Aspekt der ATP-Produktion.
Leider findet sich Q10 in Nahrungsmitteln, wie Soja, Walnüssen,
Mandeln, Fleisch, fettem Seefisch oder Knoblauch nur in sehr
geringen Mengen. Um eine effektive Zufuhr zu erreichen, sollte also
dennoch auf ein entsprechendes Nahrungsergänzungsmittel
zurückgegriffen werden. Die besten bioverfügbarkeit wird dabei
angeblich von japanischem Q10 erreicht, welches in Sojabohnenöl
gelöst ist und in Weichgelatinekapseln auf den Markt kommt. Da Q10
fettlöslich ist, sollte ohnehin die Einnahme immer in Verbindung
mit einer Fettquelle erfolgen. Da zudem eine zusätzliche Zufuhr von
Q10 die körpereigene Synthese nicht beeinträchtigt, sollte man auch
bereits bei geringeren Dosierungen eine Wirksamkeit verspüren. Eine
Dosierung von 60-100mg täglich verdoppelt hier bereits den
Plasmaspiegel, zumal die körpereigene Produktion nicht unterdrückt
wird. Es empfiehlt sich die Einnahme kurweise zu gestalten, z.B.
durch eine Einnahmephase von 4 Wochen, an die sich eine einwöchige
Pause anschließt.
Zur zusätzlichen Versorgung mit Glutathion liegen bisher keine
gesicherten Kenntnisse vor. So ist bislang noch nicht einmal
sicher, daß zusätzlich zugeführte Glutathion-Supplemente überhaupt
resorbiert werden können. Zumindest ist die Aufnahme je nach
verwendeter Qualität und chemischer Zusammensetzung des Supplements
sehr unterschiedlich. Im Allgemeinen geht man davon aus, daß oral
verabreichtes L-Glutathion nicht vom Körper verwertet werden kann,
da es sich dabei um die körperlich nicht aktive Form des Glutathion
handelt. Die gilt allerdings nicht für die bereits im aktiven
Zustand vorliegende Form des reduzierten L-Glutathions, die
definitiv verwertet werden kann. Diese ist allerdings in der
Beschaffung wesentlich teurer.
Günstiger und vermutlich ebenso effektiv ist aber die Erhöhung der
körpereigenen Glutation-Synthese durch die Erhöhung der
Cystein-Zufuhr. Da bei einem Sportler aber die allgemeine
Proteinzufuhr in der Regel ohnehin erhöht ist und damit ebenso die
der nicht-essentiellen Aminosäure Cystein, sollte auch hier über
die Ernährung eine ausreichend hohe Versorgung vorliegen.






