6. Die anabole Diät in der Praxis

Unter Beachtung der oben angeführten Gesichtspunkte ergeben sich ein paar Eckdaten, die man bei der Durchführung einer anabolen Diät beachten sollte.

Hier sei vor allen Dingen noch einmal auf die Kohlenhydratzufuhr eingegangen. Wie oben erwähnt hat der Körper besonders nach dem Training einen erhöhten Energiebedarf, den er bei mangelnder Kohlenhydratzufuhr durch den Vorgang der Gluconeogenese deckt. Um den hierbei erfolgenden Muskelabbau zur Energiegewinnung möglichst zu unterbinden ist es sinnvoll, die Kohlenhydrate besonders nach dem Training zuzuführen, um so die Cortisolausschüttung zu erschweren und die Wachstumshormone zu unterstützen.

Bei der Auswahl der kohlenhydrathaltigen Lebensmittel sollte darauf geachtet werden, daß sie einen niedrigen glykämischen Index besitzen, um so den Insulinspiegel möglichst niedrig zu halten. Nutzen Sie Vollkornprodukte und ähnliches.
Aber auch bei den Fett- und Eiweißquellen sollte auf Ausgewogenheit geachtet werden. Tierische Fette, Fischöle und Pflanzenfette sollten einander ergänzen. Achten sie auf eine ausgewogene Bilanz von mehrfach ungesättigten, einfach ungesättigten und gesättigten Fettsäuren.
Beim Eiweiß ist es ähnlich. Alle Proteinquellen haben eine unterschiedliche Aminosäurenbilanz, weshalb auch hier die Lebensmittel variiert werden sollten, um eine möglichst umfassende Versorgung zu gewährleisten. Dieses gilt um so mehr bei pflanzlichen Proteinquellen.

Wichtig ist außerdem, wenn auch bislang nicht erwähnt, daß man ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt. Ein Hobbybodybuilder sollte mindestens 3-4 Liter Wasser trinken, ein Wettkampfbodybuilder zwischen 5 und 6 Liter, je nach aufgenommen Nahrungsmenge und Leistungsstand. Dieses ist um so wichtiger, als die eiweißreiche Ernährung die Verdauung und besonders die Nieren stärker belastet und letztere so besser durchgespült werden.

Übrigens sollten Sie sich nicht von dem anfänglichen raschen Gewichtsverlust bei der anabolen Diät täuschen lassen. Dieser beruht ausschließlich darauf, daß durch die fehlenden Kohlenhydrate die Glykogendepots im Körper geleert werden und er insgesamt weniger Wasser speichert. Ein Fettverlust ist damit noch nicht verbunden. Dieser setzt erst mit dem Zustand der Ketose ein.
Um zu überprüfen, ob sie die Ketose bereits erreicht haben, gibt es ein einfaches Hilfsmittel, die "Ketostix". Hierbei handelt es sich um in der Apotheke erhältliche Teststreifen, die einfach in den Urin gehalten werden. Färben sie sich violett, so ist man in Ketose.

Nochmals, dies erreicht man nur, wenn man wirklich die Kohlenhydratzufuhr STRIKT begrenzt. Für einen normalen Bodybuilder liegt die maximal erlaubte Kohlenhydratmenge etwa bei 30-40g, für einen Leistungs-Bodybuilder kann sie leicht darüber liegen, dieses muß aber individuell ermittelt werden. Führen sie zu viel Kohlenhydrate zu und erreichen die Ketose nicht, so verbrennen sie im schlimmsten Fall ihre Muskeln und behalten Ihr Fett. Wer Schwierigkeiten damit hat sich wirklich an eine strenge Diät zu halten, der sollte lieber bei einer Low-Fat-Diät bleiben, da diese Fehler eher verzeiht.

Der normale Zyklus eine anabolen Diät dauert 7-8 Tage, davon sind 5-6 Tage kohlenhydratarm, die restlichen 1-2 Tage bilden die Ladetage. Trotzdem sollte jeder einmal mit längeren Phasen in Ketose herumprobieren, um für sich die optimale Zyklusdauer herauszufinden.

Übrigens machen gerade Wettkampfbodybuilder, die eine niedrigere Gewichtsklasse schaffen müssen, vor einer Meisterschaft längere, manchmal 3-4 Wochen dauernde kohlenhydratarme Phasen. Dieses dient aber lediglich dazu, auch das letzte Quentchen Fett zu verlieren. Da aber bis zum Limit der Gewichtsklasse oft noch ein wenig Luft ist, spielt hier auch ein Muskelverlust keine entscheidende Rolle, ist er doch eh notwendig, wenn kein Fett mehr vorhanden ist, um die Klasse zu schaffen. Ein Hobbybodybuilder aber, der keine Meisterschaftsambitionen hat, sollte solche extremen Phasen vermeiden.

Noch ein letzter Hinweis. Wie jede andere Diät funktioniert auch die AD nur dann, wenn sie den Körper in ein Energiedefizit bringen, d.h. wenn sie weniger Kalorien zuführen, als er verbraucht. Auch wenn Atkins in seiner ursprünglichen Diätform behauptet hat, man müsse nicht weniger Essen, so ist dieses wissenschaftlich nicht haltbar. Deshalb errechnen sie vor Diätbeginn einmal den durchschnittlichen Kaloriengehalt ihrer täglichen Ernährung, indem sie über 3 Tage alle Nahrungsmittel abwiegen und unter Nutzung einer Kalorientabelle den Energiegehalt berechnen. Hierüber bilden sie nach den 3 Tagen den Mittelwert, um den durchschnittlichen Wert pro Tag zu erhalten. Hiervon ziehen sie wiederum 300-500 Kcal ab, um einen guten Ausgangswert für ihre Kalorienzufuhr in der Diät zu bekommen.


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